Atemwegsinfektionen: Antibiotika Ja oder Nein? |

Infektionen der oberen und unteren Atemwege gehören zu den häufigsten Erkrankungen des Menschen. In der Regel werden sie durch Viren, in seltenen Fällen durch Bakterien hervorgerufen. Doch eine Differenzierung zwischen viraler und bakterieller Genese ist in der Praxis meistens nicht möglich. Darin sieht Professor Dr. Gert Höffken vom Universitätsklinikum Dresden den Grund für den häufigen Einsatz von Antibiotika bei Atemwegserkrankungen.
«Dieser Fehleinsatz ist einer der Gründe für die zunehmende Resistenzentwicklung bei Atemwegserregern», sagte der Arzt beim Fortbildungskongress Pharmacon in Meran. Vor allem bei Infektionen der oberen Atemwege wie Mittelohrentzündung (Otitis media) oder Rhinosinusitis bestehe keine generelle Indikation für eine Antibiotika-Gabe. Gleiches gelte auch für leichte Verläufe von Erkrankungen der unteren Atemwege mit Ausnahme der ambulant erworbenen Pneumonie. Hier ist zwingend eine Antibiotika-Therapie mit Amoxicillin oder Makroliden indiziert, da die Letalität je nach Schwere der Erkrankung zwischen 1 bis 38 Prozent schwankt. «Das schlägt jeden akuten Herzinfarkt», so Höffken.
Er plädierte für einen rein indikationsbezogenen Einsatz von Antibiotika. Eine weitere Möglichkeit, Resistenzen vorzubeugen, sei das sogenannte Delayed Prescribing. Unter diesem vorbehaltlichen Verschreiben versteht man Folgendes: Der Arzt gibt dem Patienten ein Rezept über ein Antibiotikum mit, verbindet das jedoch mit dem Hinweis, die Verordnung erst einzulösen, wenn es ihm deutlich schlechter geht. (kg)
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02.06.2015 l PZ
Foto: PZ/Alois Müller