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Vortioxetin: Neues Antidepressivum ab Mai

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Mit Vortioxetin kommt Anfang Mai ein neues Antidepressivum mit multimodalem Wirkmechanismus auf den Markt. Zugelassen ist das Medikament Brintellix® von Lundbeck zur Behandlung von Erwachsenen mit Major Depression. «Vortioxetin ist ein selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer mit zusätzlichen Effekten an fünf Serotonin-Rezeptorsubtypen», erklärte Professor Dr. Hans-Peter Volz vom Krankenhaus für Psychiatrie, Schloss Werneck, bei einer Einführungspressekonferenz in München. Neben der Hemmung des Serotonin-(5-HT)-Transporters wirkt das Molekül antagonistisch an 5-HT1D-, 5-HT3- und 5-HT7-Rezeptoren, partialagonistisch an 5-HT1B- sowie agonistisch an 5-HT1A-Rezeptoren.

Über diese direkten Angriffspunkte, die zu einer erhöhten Freisetzung von Serotonin führen, komme es auch zu indirekten Effekten auf andere Neurotransmitter. So steige die dopaminerge, noradrenerge, cholinerge und histaminerge Neurotransmission. «Dies könnte die Grundlage sein für die robuste antidepressive Wirksamkeit und die signifikante Verbesserung kognitiver Funktionen unter Vortioxetin», sagte Volz vor den Journalisten. Wichtig für die Verträglichkeit: Es wirke nicht anticholinerg oder antihistaminerg und beeinflusse die Reizleitung am Herzen nicht.

In Studien konnte Vortioxetin die Stimmung und kognitive Dysfunktionen der Patienten deutlich verbessern und Ängste lindern, berichtete Professor Dr. Tillmann Krüger von der Medizinischen Hochschule Hannover. In einer sechswöchigen Studie waren Venlafaxin XR 225 mg sowie Vortioxetin 5 oder 10 mg täglich bereits nach zwei Wochen dem Placebo signifikant überlegen. Laut Krüger gingen nicht nur die Depression, sondern auch Ängste zurück. Häufigste Nebenwirkungen waren Übelkeit, Hyperhidrosis und Erbrechen (vor allem in der 10-mg-Gruppe) sowie Durchfall und Obstipation. In einer achtwöchigen Studie mit älteren Patienten war Vortioxetin 5 mg dem Placebo deutlich überlegen, wobei sich auch kognitive Funktionen in zwei Testverfahren deutlich besserten.

Aus Verträglichkeitsgründen könne man mit 5 mg Vortioxetin starten und nach einer bis zwei Wochen auf die Zieldosis 10 mg erhöhen, empfahl der Psychiater und Neurologe. Die Erhaltungstherapie dauere mindestens sechs bis zwölf Monate, bei Patienten, die bereits depressive Episoden erlitten haben, noch länger. (bmg)

 

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14.04.2015 l PZ

Foto: Fotolia/Johan Larson