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Gürtelrose: Neuer Impfstoff schützt Senioren effektiv

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Ein neuer Impfstoff soll den Ausbruch einer Gürtelrose (Herpes zoster) im Alter sicher verhindern. In einer multizentrischen Studie mit 15.411 Probanden ab 50 Jahren erwies sich der Impfstoffkandidat HZ/su von Glaxo-Smith-Kline als überaus wirksam – im Gegensatz zur bereits verfügbaren Impfung mit Zostavax® auch bei älteren Probanden, berichten Forscher des Unternehmens jetzt im «New England Journal of Medicine».

Während demnach der Lebendimpfstoff Zostavax den Ausbruch eines Herpes zoster nur bei 51,3 Prozent der Geimpften älter 60 Jahre verhindern kann, erreichte die neue Vakzine nach zweimaliger Impfung einen Schutz von 96,6 bis 97,9 Prozent für alle getesteten Altersgruppen, auch bei den Über-70-Jährigen. So trat während der Nachbeobachtungszeit von durchschnittlich 3,2 Jahren nur bei 6 Probanden der Impfgruppe eine Gürtelrose auf. Dem standen 210 Fällen in der Placebogruppe gegenüber.

In der Verumgruppe kam es innerhalb von sieben Tagen nach der Impfung bei 84,4 Prozent der Probanden zu Nebenwirkungen. In der Placebogruppe war das nur bei 37,8 Prozent der Probanden der Fall. Meist waren die Symptome mild bis moderat und hielten ein bis drei Tage an. Bei 17,0 Prozent unter HZ/su und 3,2 Prozent unter Placebo fühlten sich die Teilnehmer jedoch in ihren täglichen Aktivitäten eingeschränkt, meistens aufgrund von Schmerzen an der Einstichstelle und Myalgien. Schwere unerwünschte Wirkungen wie Hypotonie, Herzinfarkt und Herzversagen traten in beiden Gruppen ungefähr gleich häufig auf.

Wer sich einmal mit Windpocken infiziert hat, kann im Alter oder bei schwachem Immunsystem an Herpes zoster erkranken. Diesem folgt oft eine sehr schmerzhafte postherpetische Neuralgie. Ausgelöst werden Windpocken und Gürtelrose durch das Varizella-Zoster-Virus, das sich nach der Erstinfektion lebenslang im Nervensystem festsetzt. Etwa 90 Prozent der Über-50-Jährigen gelten als infiziert.

Bei dem Impfstoffkandidaten HZ/su handelt es sich um eine rekombinante Spaltvakzine basierend auf dem viralen Glykoprotein E, verstärkt durch das noch nicht zugelassene Adjuvans AS01B. Da es sich im Gegensatz zu Zostavax um einen Totimpfstoff handelt, könnte er auch bei immungeschwächten Patienten zum Einsatz kommen, die das höchste Risiko für den Ausbruch eines Herpes zoster haben. Dies wird derzeit in weiteren Studien geprüft. Unklar ist auch noch, wie lang die Schutzwirkung anhält und wie gut der Impfstoffkandidat vor der Entwicklung einer postherpetischen Neuralgie schützt. (dh)

DOI: 10.1056/NEJMoa1501184

 

28.04.2015 l PZ

Foto: Fotolia/JPC-PROD