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Levonorgestrel: Abgabe ohne Rezept weiterhin unklar

 

Ob Apotheker alle Notfallkontrazeptiva bereits ohne Rezept abgeben dürfen, ist weiter unklar. Zwar ist die Pille danach seit Samstag offiziell verschreibungsfrei. Doch OTC-Packungen gibt es derzeit nur für das Ulipristalacetat-haltige Ellaone®, nicht aber für Präparate mit Levonorgestrel (Pidana®, Unofem®, Postinor®). Auch die Apothekensoftware weist diese Arzneimittel bislang als rezeptpflichtig aus.

Das letzte Wort in dieser Angelegenheit haben die Aufsichtsbehörden der Länder. Eine abgestimmte Position aller Ämter gibt es aber bislang nicht. Aus Sicht des bayerischen Gesundheitsministeriums können Apotheker die Pille danach mit der offiziellen Freigabe nun grundsätzlich ohne Rezept abgeben. Die falsche Kennzeichnung eines OTC-Arzneimittels als verschreibungspflichtig sei allerdings eine Ordnungswidrigkeit. «Ob diese verfolgt wird, entscheiden die Bezirksregierungen als zuständige Vollzugsbehörden im Einzelfall», sagte eine Sprecherin.

Eine dieser Behörden ist die Regierung von Oberbayern, die unter anderem für die Aufsicht des Unofem-Herstellers Hexal verantwortlich ist. Sie teilt die Ansicht des Gesundheitsministeriums, kündigte aber an, im Fall der Pille danach nicht eingreifen zu wollen. Bei Präparaten, «die nun aufgrund der Rechtsänderung insoweit falsch gekennzeichnet sind, wird von einer Verfolgung abgesehen», hieß es. Das soll allerdings nur für bereits im Handel befindliche Arzneimittel gelten. «Im Übrigen erfolgt eine Beurteilung im Einzelfall.»

Damit vertreten die Beamten in Oberbayern eine ähnliche Position wie ihre Kollegen in Arnsberg. Die dortige Bezirksregierung verantwortet unter anderem die Aufsicht über den Pidana-Hersteller HRA Pharma. Sollten Apotheker Rx-Packungen des Arzneimittels ohne Rezept abgeben, werde man nicht eingreifen, hatte die Behörde vergangene Woche erklärt. Auch das Bundesministerium für Gesundheit sieht darin kein Problem.  

Für die Apotheker bedeuten die Aussagen einzelner Behörden allerdings keine abschließende Sicherheit im Umgang mit Levonorgestrel. HRA Pharma rät daher bis auf Weiteres zur labelgetreuen Abgabe und damit zur Herausgabe nur bei Vorlage eines Rezepts. Levonorgestrel-haltige Notfallkontrazeptiva werden voraussichtlich frühestens Mitte April in OTC-Verpackung auf den Markt kommen. (sch)

 

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18.03.2015 l PZ

Foto: Fotolia/WoGi