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Verunsicherung: Wann kommt die Pille danach ohne Rezept?

 

Die Pille danach soll auch in Deutschland aus der Rezeptpflicht fallen, der genaue Zeitpunkt ist bislang allerdings offen. Das sorgt nun für Verunsicherung. Gestern hatte die EU-Kommission entschieden, das Präparat EllaOne® mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat freizugeben und war damit einer Empfehlung der Europäischen Arzneimittelagentur aus dem November gefolgt. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) will sich an den Beschluss aus Brüssel halten und kündigte heute an, neben Ulipristal auch Levonorgestrel aus der Verschreibungspflicht zu befreien. Der Wirkstoff kann nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr ebenfalls eine Schwangerschaft verhindern und ist in Deutschland im Gegensatz zu vielen anderen Ländern bislang nur mit Rezept erhältlich.

 

Der Beschluss der EU-Kommission wurde nun zunächst dem EllaOne-Hersteller HRA Pharma zugestellt und soll bereits in den kommenden Tagen im Arzneimittelregister der EU veröffentlicht werden. Damit tritt er offiziell in Kraft. Laut Kommission ist dann lediglich noch eine «technische» Verzögerung möglich. Schließlich müsse der Hersteller die Apotheken noch über den OTC-Switch informieren. Dies werde voraussichtlich wenige Tage in Anspruch nehmen.

 

Ob EllaOne in Deutschland tatsächlich so kurzfristig ohne Rezept zu bekommen ist, bleibt allerdings abzuwarten.  Aus Sicht der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände müsste hierzulande zunächst die Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) geändert werden, bevor der Beschluss der Kommission in Kraft treten kann. Denn dort wird Ulipristal bislang als rezeptpflichtig aufgeführt. Das BMG hat sich in dieser Frage bislang nicht eindeutig positioniert. Für die Freigabe von Levonorgestrel ist aber in jedem Fall eine Änderung der AMVV nötig. (sch)

 

08.01.2015 l PZ

Foto: Fotolia/Contrastwerkstatt