Schlaganfall: Auch Hochbetagte profitieren von Lysetherapie |

Patienten mit akutem ischämischem Schlaganfall profitieren bis zu viereinhalb Stunden nach Symptombeginn von einer Lysetherapie – auch Über-80-Jährige. Auf diese Ergebnisse einer Metaanalyse in «The Lancet» weisen die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hin. Damit wird das bereits seit 2009 in den DGN-Leitlinien zur Schlaganfalltherapie festgelegte Zeitfenster erneut bestätigt.
Die Fachgesellschaften betonen, dass die Behandlung schnellstmöglich (bevorzugt in einer Stroke Unit) beginnen muss, um bleibende neurologische Ausfälle oder gar den Tod zu verhindern. Und je früher die Lysetherapie mit dem Thrombolytikum Alteplase (rt-PA) einsetzt, desto besser seien die Behandlungsergebnisse. In den ersten drei Stunden nach Auftreten der Symptome lägen die Chancen eines Patienten, den Schlaganfall ohne schwere Behinderungen zu überleben, um 75 Prozent höher als in der Vergleichsgruppe ohne Lysetherapie. Ab drei Stunden bis zu 4,5 Stunden nach den ersten Symptomen liegt der Vorteil nur noch bei 26 Prozent.
Für die Metaanalyse wertete ein internationales Forscherteam neun Studien mit insgesamt 6756 Patienten aus. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass die Lysebehandlung auch bei älteren Menschen ohne Probleme angewendet werden könne. So war die Lysetherapie bei den mehr als 1700 Teilnehmer der Studien, die älter als 80 Jahre alt waren, vergleichbar effektiv wie bei den jüngeren Patienten. Bei den Hochbetagten gab es hinsichtlich des Blutungsrisikos keine besonderen Probleme. Denn gerade Blutungen, die bei der Auflösung der Blutgerinnsel durch das Enzym Alteplase entstehen können, sind die am meisten gefürchtete Komplikation. Daher müssen vor der Lysetherapie immer eine Computer- oder eine Kernspintomografie durchgeführt werden, um Hirnblutungen als Ursache des Schlaganfalls auszuschließen.
Obwohl die Effektivität der Lysetherapie mit Alteplase bereits seit fast 20 Jahren bekannt ist, wird diese Therapiemethode nach Angaben der DSG und DGN nur bei etwa 10 Prozent der Schlaganfallpatienten in Deutschland durchgeführt. Der Grund: Nur etwa 30 bis 40 Prozent der Betroffenen erreichen rechtzeitig die Klinik. Umso wichtiger sei die Aufklärung der Bevölkerung: Jeder müsse wissen, dass ein Schlaganfall immer ein Notfall ist, der eine umgehende Klinikeinweisung erfordert, auch wenn der Betroffene keine Schmerzen hat. (rt)
DOI: 10.1016/S0140-6736(14)60584-5
13.01.2015 l PZ
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