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Lepra: Hier vergessen, aber weltweit nicht verschwunden

 

Mit ihrem Verschwinden aus Europa hat die Infektionskrankheit Lepra in den Köpfen vieler im Westen aufgehört, eine Bedrohung zu sein. In armen Regionen lebt der Erreger jedoch weiter. Und mit ihm Stigma und Isolation, die schon im Mittelalter mit der Diagnose verbunden waren. Vermutlich wegen besserer Lebensbedingungen ebbte Lepra im 17. Jahrhundert in Europa ab. Mit der Entdeckung des Erregers lernte man 1873 erst den Feind, später dank Antibiotika auch wirksame Gegenmittel kennen. Dennoch erkranken weltweit immer noch weit mehr als 200.000 Menschen jährlich. Zu großes Unwissen und mangelnde Prävention seien die Gründe, vermuten Experten.

 

«Lepra ließe sich leicht besiegen, wenn wir mehr darüber wüssten. Es ist längst eine vermeidbare Krankheit», sagt Jürgen Hövekenmeier, Sprecher der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) anlässlich des Welt-Lepra-Tags am 25. Januar. So sei zu wenig bekannt über die Übertragungswege.Der Erreger Mycobacterium leprae wird wahrscheinlich per Tröpfcheninfektion übertragen. Es gibt keine Impfung oder Schnelltests. Die durchschnittliche Inkubationszeit beträgt vier bis sechs Jahre. Die chronische Krankheit ist vollständig heilbar. Laut RKI können nur 5 Prozent der Weltbevölkerung überhaupt erkranken, der Rest ist immun. «Warum das so ist, ist wissenschaftlich überhaupt nicht geklärt», so Hövekenmeier.

 

Doch der Pharmaindustrie fehle das Interesse in Forschung zu investieren, kritisiert die DAHW. Denn: Lepra ist eine Krankheit der Armen. Die meisten Neuerkrankungen finden sich in Ländern mit meist schlecht entwickelter medizinischer Infrastruktur, berichtet das Robert-Koch-Institut (RKI). Indien, Brasilien und Indonesien sind darunter. In Deutschland wurden laut RKI dagegen in 2012 und 2013 sechs Fälle gezählt – allesamt aus anderen Ländern importiert.

 

Abscheu und Angst vor Ansteckung, machen auch heute noch Aussätzige aus allen, die Spätfolgen davontragen. Bei mehr als jedem zehnten wird die Krankheit so spät entdeckt, dass bleibende körperliche Schäden zurückbleiben. Entgegen landläufiger Vorurteile seien lepratypische Behinderungen wie verstümmelte Gliedmaßen, kein Symptom, sondern eine Spätfolge nicht behandelter Entzündungen. Vier Millionen Menschen litten, wenn auch längst geheilt, an Behinderungen durch Lepra, schätzt die DAHW. «Sie haben keine Chance mehr auf Arbeit. Niemand will mit ihnen leben, weil sie noch als krank und ansteckend gelten», schildert Hövekenmeier. «Im Mittelalter waren sie ausgestoßen, aber die christliche Gesellschaft hat mit Leprosorien und Spenden Verantwortung übernommen. Heute sind Leprakranke nur noch ausgestoßen.»

 

Lepra wurde schon in der Bibel beschrieben und an Mumien im alten Ägypten nachgewiesen.  Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht von rund 215.000 Neuinfektionen für das Jahr 2013 aus. Hinzu kommen geschätzte 15.000 neue Leprafälle weltweit, die laut Deutscher Lepra- und Tuberkulosehilfe von den Ländern entweder nicht gemeldet werden oder in der offiziellen Statistik aus anderen Gründen nicht auftauchen. Laut DAHW kostet eine Therapie durchschnittlich 50 Euro pro Patient.

 

23.01.2015 l dpa

Foto: Fotolia/Pepe