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Hoch dosiertes Methylprednisolon: Leberschäden möglich

 

Hoch dosiertes, intravenös verabreichtes Methylprednisolon steht unter Verdacht, Leberschäden hervorzurufen. Darauf hat die kanadische Arzneimittelbehörde in einem Newsletter hingewiesen.  Ende Juni 2014 erhielt die kanadische Aufsichtsbehörde vier Berichte über Leberschäden bei Patienten, die hoch dosiertes Methylprednisolon intravenös erhalten hatten. Zumindest in einem Fall wurde die Therapie als Auslöser vermutet. 28 zusätzliche Fälle von Medikamenten-induzierter Leberschädigung, die wahrscheinlich im Zusammenhang mit intravenösem Methylprednisolon standen, wurden bei Literaturrecherchen gefunden. Die Fälle wurden zwischen 1997 und 2014 publiziert. Fast ausnahmslos wurde von akuten und schweren Leberschäden, Lebererkrankungen, Hepatitis, Lebernekrose und Leberversagen berichtet. In zehn Fällen stiegen die Transaminase-Werte auf über 1000 E/l. Zum Teil waren sie von einer Hyperbilirubinämie und einem Ikterus begleitet. Der Tod trat in vier Fällen ein, wobei drei Patienten an Leberversagen starben, während der vierte Patient an Nierenkomplikationen starb, nachdem er sich einer Lebertransplantation unterzogen hatte.

 

Was bemerkenswert ist: In elf Fällen kam es nach Reexposition des Corticoids zu einem erneuten Auftreten der leberspezifischen unerwünschten Wirkungen – eine Beobachtung, die eine kausale Rolle von Methylprednisolon wahrscheinlich macht. Bei der Mehrzahl konnten diese Nebenwirkung an der Leber selbst dann noch ausgelöst werden, wenn eine Reexposition erst Jahre nach dem Auftreten eines Leberschadens vorgenommen wurde.

 

Aufgrund der sehr unterschiedlichen indikationsbezogenen Dosierungsschemata von intravenös-verabreichtem Methylprednisolon mit einer Tagesdosis von bis zu 1000 mg ist es schwierig zu beurteilen, ob das Risiko einer Leberschädigung dosisabhängig ist. Der Zeitpunkt bis zum Auftreten von arzneimittelinduzierten Leberschäden, einschließlich Fälle von akuter Hepatitis, kann bei einigen Tagen bis Wochen, aber auch bei mehreren Monaten nach Beginn der Therapie liegen.

 

Methylprednisolon ist ein potentes, entzündungshemmendes Corticosteroid, das vor allem intravenös als Hochdosistherapie bei verschiedenen akut lebensbedrohlichen Zuständen wie anaphylaktischem Schock, Hirnödem, schwerem akutem Asthmaanfall oder toxischem Lungenödem aufgrund von Reizgasinhalation eingesetzt wird, aber zum Beispiel auch bei Schüber bei Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose oder Morbus Crohn. In den Fachinformationen deutscher Präparate findet sich bis dato kein Hinweis auf Leberschäden. (rt)

 

05.01.2015 l PZ

Foto: Fotolia/Peter Hermes Furian