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Lungenkrebs: EU-Zulassung für Nintedanib

 

Boehringer Ingelheim hat für seinen Kinase-Hemmer Nintedanib (Vargatef®) eine EU-Zulassung erhalten. Das neue Medikament darf als Zweitlinien-Therapie in Kombination mit Docetaxel bei erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem, metastasiertem oder lokal rezidiviertem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) mit Adenokarzinom-Histologie eingesetzt werden. In klinischen Studien stieg die mediane Überlebenszeit gegenüber einer Docetaxel-Monotherapie von 10,3 auf 12,6 Monate ohne zusätzliche Beeinträchtigung der Lebensqualität, berichtet Boehringer.

 

An der Studie LUME-Lung-1 nahmen mehr als 1300 Patienten teil. «Vargatef, in Kombination mit Docetaxel, ist die erste Therapie, die nach fast zehn Jahren das Überleben von Patienten mit einem fortgeschrittenen Adenokarzinom der Lunge in einer Zweitlinien-Chemotherapie signifikant verlängerte», sagte Studienleiter Privatdozent Dr. Martin Reck.

 

Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehörten gastrointestinale Störungen und reversible Leberenzym-Erhöhungen, die in der Regel durch unterstützende Maßnahmen oder Dosisreduktion gut beherrschbar waren. Im selben Maß wie bei anderen antiangiogenen Kinase-Hemmern auch, traten unerwünschte Wirkungen wie Bluthochdruck, Blutungen, Thrombosen, Mukositis und gastrointestinale Perforationen auf.

 

Nintedanib hemmt gleichzeitig die drei Rezeptorfamilien VEGFR 1-3, PDGFR α und β sowie FGFR 1-3. Damit soll die Blutversorgung des Tumors, sein Wachstum sowie die Metastasierung unterdrückt werden. Boehringer prüft den Einsatz derzeit auch bei anderen soliden Tumoren wie Darm- und Eierstockkrebs. Zudem liegt bereits eine Zulassungsempfehlung für die seltene Erkrankung idiopathische Lungenfibrose vor.

 

Adenokarzinome sind nach Angaben von Boehriger der häufigste histologische Subtyp des NSCLC. Bei mehr als zwei Drittel aller Patienten werde die Diagnose erst im späten Tumorstadium gestellt. Bei diesem Lungenkrebs-Subtyp komme es trotz effektiver Erstlinien-Therapie in der Regel zu einem Fortschritt der Erkrankung. Zudem seien die Behandlungsoptionen im fortgeschrittenen oder metastasierten Stadium bei Vorliegen bestimmter Mutationen bislang begrenzt. (dh)

 

02.12.2014 l PZ

Foto: Fotolia/Sebastian Kaulitzki