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Digitalis: Anbau und Synthese schwierig

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Nur noch ein Betrieb in Deutschland baut den Wolligen Fingerhut an, aus dessen Blättern Digoxin für Herzmedikamente extrahiert wird. Die Agrargenossenschaft Calbe in Sachsen-Anhalt hat gerade die diesjährige Ernte mit Spezialmaschinen eingebracht. Die Extraktion ist kompliziert, aber immer noch kostengünstiger als eine Vollsynthese.

 

«Digitalis lanata wächst auf unseren Feldern seit 1971», sagt der Vorstandsvorsitzende der Agrargenossenschaft Calbe, Hansjoachim Gerber. Zu DDR-Zeiten seien die Blätter an das Arzneimittelwerk Dresden geliefert worden. Neben einem niederländischen Großhändler zähle heute die Boehringer Ingelheim GmbH zu den Kunden, die zu den wenigen Herstellern von Herzmedikamenten in Deutschland gehören. 

 

«Mit einem organischen Lösungsmittelgemisch wird ein Extrakt hergestellt, der neben dem Digoxin eine Vielzahl anderer Naturstoffe enthält», erklärt Boehringer- Sprecher Matthias Kagerbauer. Ein chemische Synthese des Wirkstoffes könne aus Kostengründen nicht mit der Produktion aus dem Fingerhut konkurrieren. Das bestätigt Peter Lindemann, Projektleiter am Institut für Pharmazies der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. «Digoxin kann nur sehr aufwendig synthetisch hergestellt werden und hat quasi keine Bedeutung», so der Wissenschaftler.

 

Herzglykoside wie Digoxin steigern die Schlagkraft der Herzmuskelfasern. Bis in die 1990er-Jahre habe es eine ganze Reihe von Herzglykosid-haltigen Drogen im Arzneibuch gegeben: «Heute sind bis auf den Fingerhut alle verschwunden», so Lindemann.

 

Denn auch der Anbau ist anspruchsvoll: «Eine Reihe von Betrieben hat versucht, den Fingerhut anzubauen, doch mit wenig Erfolg», sagt er. Dazu brauche es viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Schon bei der Aussaat im März brauche die Pflanze ideale Bedingungen. Hauptfeind beim Wachstum sei das Unkraut. In diesem Jahr sei eine gute Ernte von den etwa 40 Hektar Anbaufläche eingefahren worden. Etwa 220 Tonnen seien eingebracht und getrocknet worden, sagte Gerber.

 

27.10.2014 l dpa

Foto: Fotolia/RDimitrova