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UAW: Auch Phytos könnten Pankreatitis auslösen

Wahrscheinlich können mehr Medikamente als bislang gedacht eine akute Bauchspeicheldrüsen-Entzündung (Pankreatitis) auslösen – auch Phytopharmaka wie Baldrian und Teufelskralle. Zu diesem Schluss kommt die Berliner Fall-Kontroll-Surveillance-Studie (FAKOS), deren Kerndaten im aktuellen «Bulletin für Arzneimittelsicherheit» vorgestellt werden. Jährlich erkranken rund 20 von 100.000 Deutschen an einer Pankreatitis. Als häufigste Ursachen gelten Alkoholkonsum und Gallensteinleiden, gefolgt von Arzneimitteln.

 

Die Forscher um Dr. Antonius Douros von der Berliner Charité und Professor Dr. Edeltraut Garbe vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen werteten die Daten von 102 Patienten mit akuter Pankreatitis unbekannter Ursache sowie von 750 Kontrollpatienten aus allen 51 Berliner Krankenhäusern aus. Patienten mit alkoholischer, biliärer oder traumatischer Genese sowie bestimmten anderen Erkrankungen wurden vorher ausgeschlossen. Die Ärzte befragten alle Patienten nach ihrer Arzneimitteleinnahme, inklusive aller selbst gekauften Präparate.

 

Anschließend ermittelten die Wissenschaftler bei einer standardisierten Kausalitätsbewertung, ob und welche Medikamente die Ursache für die Pankreatitis sein konnten. Für mehrere Arzneistoffe bestätigten sie die bereits bekannte Nebenwirkung, zum Beispiel bei Azathioprin, Mesalazin, Mercaptopurin und einigen ACE-Hemmern. Möglicherweise können auch der Lipidsenker Fenofibrat und das Immunsuppressivum Leniflunomid eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse verursachen, wozu es bislang seltene Einzelfallmeldungen gab. Auch ein inhalatives Kombipräparat mit Formoterol und Budesonid geriet unter Verdacht.

 

Die Auswertung zeigte zudem ein potenzielles Pankreatitis-Risiko unter Wirkstoffen, die bislang nicht in diesen Zusammenhang gebracht wurden. Neben dem Immunsuppressivum Tocilizumab nennen die Autoren Phytotherapeutika mit Teufelskralle (Harpagophytum) und Baldrian (Valeriana). «Obwohl weitere Studien notwendig sind, um die hier beschriebene Phytotherapeutika-assoziierte Pankreatotoxizität zu verifizieren, liefern unsere Ergebnisse weitere Argumente gegen den sorglosen Einsatz solcher Arzneimittel, insbesondere wenn die Wirksamkeit nicht durch kontrollierte klinische Studien gut belegt ist», so das Fazit von Douros und Garbe. Sie spekulieren über eine mögliche Untererfassung von Nebenwirkungen und fehlendem Bewusstsein für potenzielle Risiken bei Patienten und Ärzten. Bislang gebe es Fallberichte zu pankreatotoxischen Nebenwirkungen fast nur im Zusammenhang mit der Anwendung von Sägepalmfrüchten bei benigner Prostatahyperplasie. Bei Verdacht einer akuten Pankreatitis sollte eine sorgfältige Medikationsanalyse durchgeführt werden, folgern die Autoren. (db)

 

30.09.2014 l PZ

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