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Forschung: Pharmaindustrie konzentriert sich auf Krebs

 

Jedes vierte Medikament in den Pipelines der Pharmaindustrie ist für Krebspatienten gedacht, so das Ergebnis einer Auswertung  von Sozialmedizinern im Fachjournal «Social Science & Medicine». Die Wissenschaftler werteten Berichte der Pharmaunternehmen über ihre Forschung und Entwicklung aus den Jahren 2006 bis 2011 aus. Dabei zählten Jill A. Fisher, Marci D. Cottingham und Corey A. Kalbaugh 2477 Medikamente in 4182 klinischen Studien. Im Schnitt erreichen nur 19 Prozent aller Wirkstoffe, mit denen klinische Studien begonnen wurden, auch die Zulassung.

Die Forscher konnten dabei das Vorurteil bestätigen, dass die Pharmafirmen vor allem Arzneistoffe für Krankheiten in den Industrieländern entwickeln. So gebe es fast 3,5-mal so viele Kandidaten für Erkrankungen, die vor allem in Ländern mit hohem Einkommen vorkommen, wie gegen Krankheiten, die in Entwicklungsländern dominieren. Und auch die mangelnde Innovationsbereitschaft der Pharmariesen lässt sich in Zahlen fassen: Nur 12 Prozent aller Wirkstoffe in den Pipelines stammen aus Labors der 20 größten Pharmafirmen weltweit.

Den mit Abstand größten Anteil an den Arzneistoffkandidaten haben Krebsmittel mit 26,2 Prozent; darunter vor allem Präparate gegen Leukämien und Lymphome. Es folgen mit 13,48 Prozent Wirkstoffe für Krankheiten des Nervensystems und der Sinnesorgane und mit 10,50 Prozent Antiinfektiva. Nur 4,12 Prozent der potenziellen Arzneimittel sind für mentale Erkrankungen gedacht. (db)

DOI: 10.1016/j.socscimed.2014.08.023

 

22.09.2014 l PZ

Foto: Fotolia/Aamon