Bandscheibenvorfall: OP oder konservative Therapie? |

Neun von zehn Patienten mit einem Bandscheibenvorfall an der Lendenwirbelsäule können zwischen Operation und konservativer Therapie wählen. Die Langzeitergebnisse sind vergleichbar. «Beide Methoden liefern nach einem Jahr gleich gute Ergebnisse; allerdings sind operierte Patienten schneller beschwerdefrei», sagte Professor Dr. Bernhard Meyer vom Klinikum rechts der Isar bei einer Pressekonferenz auf der Neurowoche in München. Die Rate ernster Komplikationen sei bei beiden Varianten mit 2 bis 4 Prozent gering.
Eine sofortige Operation sei bei einem Bandscheibenvorfall nur selten nötig, zum Beispiel wenn Lähmungserscheinungen auftreten oder der Patient Blase oder Darm nicht mehr kontrollieren kann, sagte der Neurochirurg. Wenn keine neurologischen Ausfälle vorliegen, seien konservative Therapien die Methode der ersten Wahl. Dies gelte auch für Patienten mit leichten Lähmungen. Bei etwa 80 Prozent würden die Lähmungen verschwinden, egal ob die Patienten operiert oder konservativ behandelt werden.
Jedes Jahr erleiden fünf von 1000 Menschen in den Industriestaaten einen Bandscheibenvorfall. Dieser ist meist eine Folge von Überlastung oder von altersbedingten Abbauprozessen der Bandscheiben, die wie «Stoßdämpfer» zwischen den Wirbeln liegen. Am häufigsten kommt ein Bandscheibenvorfall an der Lendenwirbelsäule vor, er kann aber auch an jedem anderen Wirbel auftreten. (bmg)
18.09.2014 l PZ
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