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Arzneimittelfälschungen: Apotheker sind wirksame Filter

 

Gefälschte Arzneimittel sind in den letzten Wochen und Monaten auch in deutschen Apotheken aufgetaucht. «Doch die Türsteherfunktion des Apothekers hat zu 100 Prozent funktioniert», sagte Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK; Foto: rechts), bei der heutigen Pressekonferenz vor Beginn des Deutschen Apothekertags in München. Bislang sei kein einziger Fall dokumentiert, in dem ein gefälschtes Arzneimittel den Patienten erreicht und ihm Schaden zugefügt hätte. «Wir wollen unbedingt, dass dieser Filter hält.» Arzneimittelsicherheit sei ein Kernanliegen der Apotheker.

 

Gefälschte Arzneimittel in Umlauf zu bringen, halte er für «besonders verwerflich», da Patienten auf eine korrekte Arzneitherapie angewiesen sind, sagte Kiefer. Resistenzbildung, Nebenwirkungen, Vergiftungen oder Medikationsfehler könnten die böse Folge falscher Medikamente sein. Dabei würden die Fälscher immer besser und professioneller – und Fälschungen immer schwerer zu erkennen.

 

Fritz Becker, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes (DAV; Foto: Zweiter von rechts), wies vor den Journalisten besonders auf die komplexen Vertriebswege von Arzneimitteln hin. «Importware ist überproportional häufig an Fälschungsfällen beteiligt.» Hier gebe es Sicherheitslücken. Je länger und unübersichtlicher der Vertriebsweg und je häufiger die Grenzübertritte von Arzneimitteln, desto eher werde das Einschleusen von Fälschungen möglich. Becker kritisierte die Importquote, die Apotheker erfüllen müssen, klar als falsch. Der Apotheker habe zu wenig Spielraum, um sich aufgrund pharmazeutischer Sicherheitsbedenken im Einzelfall gegen ein Import-Arzneimittel zu entscheiden. «Die Importförderungsklausel muss ersatzlos gestrichen werden», unterstrich der DAV-Vorsitzende. Ein Antrag liege beim Deutschen Apothekertag vor. Vonseiten der Krankenkassen gebe es viele Signale, die Arzneimittelsicherheit in den Vordergrund zu stellen und die Importförderung zu streichen, sagte Becker auf Nachfrage der PZ. «Da könnten wir uns mit den Krankenkassen einigen.»

 

Der Deutsche Apothekertag 2014 beginnt am morgigen Mittwoch. Er wird um 14 Uhr von Friedemann Schmidt, Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Foto: links), in Halle B6 der Messe München eröffnet. (bmg)

 

16.09.2014 l PZ

Foto: PZ/Alois Müller