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Rx-Arzneimittel: Sachverständigenrat fordert Preiswettbewerb

Der sogenannte Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen will den Wettbewerb unter den Apotheken anfeuern. Aus Sicht der Experten sollten die Betriebe die Preise für rezeptpflichtige Arzneimittel künftig weitgehend selbst kalkulieren dürfen, wie aus einem heute in Berlin vorgestellten Gutachten hervorgeht.

 

Heute erhalten Apotheken bei der Abgabe eines Rx-Präparats ein Fixhonorar von 8,51 Euro und einen Zuschlag von 3 Prozent auf den Einkaufspreis. Rabatte bei der Abgabe des Arzneimittels sind verboten. Für die Zukunft schlägt der Sachverständigenrat eine einheitliche Apothekenfestspanne als Vergütung vor. Sie soll die Kosten für Lagerung und Beratung sowie «einen angemessenen Unternehmerlohn» für Apotheke und Großhandel abdecken. Diese Spanne sollen die Apotheker auf den Herstellerabgabepreis aufschlagen, unter Einbezug der Mehrwertsteuer ergibt sich dann der Preis, den die Krankenkassen für das jeweilige Arzneimittel bezahlen.

 

Unabhängig von der vorgegebenen Festspanne sollen die Apotheker allerdings eine individuelle Handelsspanne frei kalkulieren dürfen. Dabei spielen neben der Kostenstruktur der Apotheke die Verhandlungen mit dem Großhandel und natürlich die jeweiligen Gewinnvorstellungen eine entscheidende Rolle. Die Apotheker erhielten damit «im Gegensatz zur geltenden Rahmenordnung einen Wettbewerbsparameter, um mit einem günstigen Abgabepreis zusätzliche Nachfrage zu generieren», schreiben die Experten. Sie gehen davon aus, dass die Patienten Apotheken mit geringeren Spannen bevorzugen werden, denn die Margen sind ausschlaggebend für die Zuzahlungen der Versicherten. Liegt die individuelle Handelsspanne über der staatlich festgesetzten Marge, müssen die Patienten die Differenz selbst übernehmen – unterschreitet sie den vorgegebenen Wert, bekommen die Versicherten Geld ausgezahlt.

 

In überversorgten Gebieten erhoffen sich die Experten damit einen Verdrängungswettbewerb. Gleichzeitig soll das System Anreize für die Eröffnung von Apotheken in ländlichen Regionen schaffen. Denn dort könnten Apotheker ihre Spannen mit Blick auf die geringe Konkurrenz höher kalkulieren als in der Stadt, heißt es. Um Patienten vor allzu hohen Zuzahlungen zu schützen, soll es eine Margen-Obergrenze geben. In Gebieten mit einer sehr geringen Apothekendichte könnte aus Sicht der Experten zudem ein begrenztes Dispensierrecht für Hausärzte die Spannen in Schach halten.

 

Mehr Wettbewerb verspricht sich der Sachverständigenrat auch durch eine Aufhebung des Fremd- und Mehrbesitzverbots. Dieses sei «ein Relikt mittelalterlicher Zunftstrukturen». Wie Erfahrungen aus anderen Ländern zeigten, ermögliche die Aufhebung dieser Verbote «die Bildung von finanzstarken Apothekenketten und damit die Transformation des deutschen Apothekenmarkts von seiner atomistischen in Richtung einer oligopolistischen Struktur». Zudem habe die Bildung von Ketten bei Supermärkten und Drogerien zu Größenvorteilen und mehr Wettbewerb geführt, «von der in Form von Preissenkungen letztlich die Konsumenten» profitieren. Apothekenketten böten darüber hinaus auch Apothekern neue Chancen, die mit Rücksicht auf ihre Lebensplanung häufig lieber als Angestellte arbeiten wollten. (sch)

 

23.06.2014 l PZ

Foto: Fotolia/iQoncept