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Simvastatin: Neue Warnhinweise in Fachinfo

 

Die Fachinformationen aller Simvastatin-haltiger Präparate enthalten demnächst genauere Angaben, welche Patienten ein erhöhtes Risiko für Myopathien und Rhabdomyolyse tragen. Dabei handelt es sich um Menschen mit der Mutation c.521T>C im Gen SLC01B1, das für den Transporter OATP1B1 in der Leber kodiert. Dieser Transporter schleust Simvastatin aktiv in die Hepatozyten ein, wo es verstoffwechselt wird. Träger der Mutation haben eine geringere Transporter-Aktivität. Damit steigt die Bioverfügbarkeit des wichtigsten aktiven Metaboliten Simvastatinsäure deutlich an, sodass es zu einer Überdosierung kommen kann.

Für heterozygote Träger mit nur einem mutierten Allel (CT-Typ) beträgt die Area under the Curve (AUC) 120 Prozent, für homozygote Träger mit zwei mutierten Allelen (CC-Typ) liegt sie bei 221 Prozent im Vergleich zu Personen ohne Mutation. Damit steigt das Risiko für Muskelschäden wie Myopathien und Rhabdomyolyse, welche wiederum Nierenversagen auslösen kann.

Das Risiko für eine Myopathie unter Behandlung mit hoch dosiertem Simvastatin (80 mg) liegt in der Gesamtbevölkerung bei 1 Prozent. Homozygote Träger vom CC-Typ haben ein 15-prozentiges Risiko für eine Myopathie innerhalb eines Jahres. Für Patienten mit der Mischvariante CT liegt es bei 1,5 Prozent. Die meisten Menschen (82 Prozent der europäischen Bevölkerung) tragen keine Mutation (TT-Typ) und haben ein Myopathierisiko von 0,3 Prozent.

«Sofern verfügbar, sollten eine Genotypisierung bezüglich des Vorliegens des C-Allels als Teil der Nutzen-Risiko-Bewertung bei einzelnen Patienten vor einer Verordnung von Simvastatin 80 mg in Betracht gezogen sowie hohe Dosen bei identifizierten Trägern des CC-Genotyps vermieden werden», heißt es demnächst unter Punkt 4.4 der Fachinformation (besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung). Ein negatives Ergebnis schließe allerdings nicht aus, dass eine Myopathie auftreten könne, zum Beispiel in Kombination mit anderen hepatisch verstoffwechselten Medikamenten wie Ciclosporin.

Mit der Aufforderung zur Textanpassung setzt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine Empfehlung des Ausschusses für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Arzneimittelagentur EMA von Mitte April um. (db)

 

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07.05.2014 l PZ

Foto: Fotolia/Aaron Chen