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Psychopharmaka: Vorsicht bei Kombinationen

 

Bei bestimmten Psychopharmaka-Kombinationen können gefährliche Interaktionen auftreten. Davor warnte Dr. Otto Dietmaier (Foto), leitender Apotheker im Klinikum am Weissenhof, Zentrum für Psychiatrie in Weinsberg beim Pharmacon in Meran. Ein No-Go ist beispielsweise die Kombination mehrerer Substanzen mit deutlich serotonerger Wirkung. So darf der irreversible MAO-Hemmer Tranylcypromin nicht zusammen mit einem selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) gegeben werden. Möglich sind Blutdrucksteigerungen sowie das gefürchtete Serotonin-Syndrom, das lebensbedrohlich sein kann. Das Syndrom tritt bereits innerhalb weniger Stunden nach Ansetzen oder Ändern der Medikation auf. Typische Symptome sind Verhaltens- und Bewusstseinsstörungen, Reflexsteigerung, Tremor und Ataxie. Beim Absetzen verschwinden die Beschwerden innerhalb von 24 Stunden.

SSRI verhindern auch die Wiederaufnahme von Serotonin aus dem synaptischen Spalt in Thrombozyten und erhöhen so das Blutungsrisiko. Sie sollten daher auch nur mit Vorsicht mit Arzneimitteln kombiniert werden, die die Thrombozytenaggregation hemmen, beispielsweise Acetylsalicylsäure (ASS), erklärte Dietmaier.

Ebenfalls problematisch ist der Einsatz mehrerer möglicherweise blutbildschädigender Substanzen. Unter der Kombination von Clozapin mit einem trizyklischen Antidepressivum könnten hämatopoetische Störungen wie eine Leukopenie oder eine lebensbedrohliche Agranulozytose auftreten, warnte der Apotheker. Während der Therapie mit Clozapin sind regelmäßige monatliche Blutbildkontrollen daher enorm wichtig.  (va)

 

27.05.2014 l PZ

Foto: PZ/Alois Müller