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Tamiflu-Kritik: Grüne fragen nach Konsequenzen

Nach der negativen Bewertung der Grippemittel Tamiflu und Relenza durch die renommierte Cochrane Collaboration fordern die Grünen von der Bundesregierung Aufklärung über den künftigen Umgang mit beiden Arzneimitteln. In einer Kleinen Anfrage erkundigt sich die Partei danach, ob die Regierung beide Arzneien weiter für die geeigneten Mittel hält, um die Bevölkerung bei einer Influenzapandemie zu schützen.

 

Anfang April war die Cochrane Collaboration zu dem Schluss gekommen, dass die Arzneimittel nicht wie bislang angenommen vor schweren Komplikationen einer Grippe schützen. Dafür seien die Nebenwirkungen der Medikamente schwerwiegender als bisher bekannt, so die Wissenschaftler.

 

Die Partei die Linke hatte daraufhin bereits in der vergangenen Woche gefordert, die Einlagerung von Tamiflu und Relenza unverzüglich zu stoppen. Beide Mittel werden derzeit für den Fall einer Grippepandemie in großer Menge eingelagert. Die Bundesregierung zeigte sich jedoch unbeeindruckt von der Kritik der Linken und erklärte, auf eine Einschätzung durch die Europäische Arzneimittelagentur EMA zu warten.

 

Die Grünen fragen nun detailliert nach und wollen unter anderem wissen, wie lange die Regierung bereits von den Zweifeln an der Wirksamkeit beider Medikamente wusste. Auch fragt die Partei, ob die Mittel weiter eingekauft werden und ob der Nationale Pandemieplan an die Ergebnisse der Cochrane Collaboration angepasst werden soll. «Der Skandal um Tamiflu macht deutlich, dass wir einen Mangel an unabhängigen Studien zur Überprüfung der Nutzen und Risiken von Arzneimitteln haben»,erklären die Grünen. Auch kritisiert die Partei das «fehlende Engagement der Regierung, eine eigene Kosten-Nutzenbewertung der Grippemittel vorzunehmen». (ah)

 

28.04.2014 l PZ

Foto: Fotolia/Sarnacchiaro