Phenylephrin und Paracetamol: Eine gefährliche Kombination? |

Die Plasma-Konzentration von Phenylephrin kann um das Zwei- bis Vierfache ansteigen, wenn das Sympathomimetikum zusammen mit Paracetamol (Acetaminophen) verabreicht wird. Davor warnen drei Wissenschaftler aus Neuseeland in einem Leserbrief an das «New England Journal of Medicine». Zwei der Autoren arbeiten für ein pharmazeutisches Unternehmen, das ein neues Erkältungsmittel entwickeln wollte, eine Fixkombination aus Paracetamol, Ibuprofen und Phenylephrin. Ihnen war bei Cross-over-Studien eine unerwartete pharmakokinetische Interaktion aufgefallen: Es zeigte sich, dass die Gabe von 10 mg Phenylephrin in Kombination mit 1000 mg Paracetamol und 300 mg Ibuprofen zu einer fast vierfach höheren Plasmakonzentration des Sympathomimetikums geführt hatte als die Gabe von Phenylephrin alleine. Die AUC (die Fläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve) hatte sich verdoppelt.
Es konnte definitiv ausgeschlossen werden, dass Ibuprofen an dieser Zunahme der Plasmakonzentration beteiligt war. Zudem konnten die Wissenschaftler zeigen, dass, wenn man die Dosis von Phenylephrin auf 5 mg halbierte, die zusätzliche Gabe von Paracetamol zu einer ähnlichen Plasmakonzentration führte, als wenn man 10 mg Phenylephrin allein verabreicht hätte. Durch diese erhöhten Phenylephrin-Werte können unerwünschte Wirkungen wie Hypertonie, Schwindel, Zittern, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Tachykardie oder Harnretention verstärkt auftreten, sodass Personen mit Herzerkrankungen oder Prostatahypertrophie stärker gefährdet sein könnten als bisher angenommen.
Als Mechanismus für diese Interaktion wird angenommen, dass Phenylephrin durch Sulfatierung in der Intestinalwand metabolisiert wird und Paracetamol diesen Prozess behindert, sodass es infolge zu höheren Plasmaspiegeln des Sympathomimetikums kommt. Wenn dem so ist, könnten auch andere Wirkstoffe die Metabolisierung von Phenylephrin behindern. Das würde zum Beispiel auch für Ascorbinsäure (Vitamin C) zutreffen, vermuten die Wissenschaftler.
Weltweit, so auch in Deutschland, enthalten viele freiverkäufliche Arzneimittel zur Behandlung von Erkältung und Grippe Phenylephrin und Paracetamol - zum Teil neben anderen Wirkstoffen wie Ascorbinsäure. Aufgrund der möglichen Gefährdung durch diese bisher nicht bekannte Interaktion halten die beiden Autoren eine weitere Überprüfung durch die Behörden für erforderlich. (rt)
doi: 10.1056/NEJMc1313942
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26.03.2014 l PZ
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