Dolutegravir: Neuer Integrase-Hemmer für HIV-Patienten |

Mit Dolutegravir steht seit Kurzem ein neues Medikament für Patienten mit HIV-Infektion zur Verfügung. Der Integrase-Inhibitor ist zugelassen in Kombination mit anderen antiretroviralen Arzneimitteln zur Behandlung der HIV-Infektion bei Erwachsenen und Jugendlichen ab zwölf Jahren. Die empfohlene Dosierung beträgt eine Tablette mit 50 Milligramm pro Tag, unabhängig von einer Mahlzeit. Patienten, bei denen die HI-Viren eine Resistenz auf Integrase-Inhibitoren ausgebildet haben, sollen zweimal täglich 50 Milligramm zusammen mit einer Mahlzeit einnehmen, um die Exposition zu erhöhen.
Die Zulassung von Dolutegravir (Tivicay® 50 mg Filmtabletten, ViiV Healthcare) basiert auf klinischen Phase-III-Studien mit mehr als 2500 Erwachsenen sowie einer Studie mit Jugendlichen ab zwölf Jahren. Bei nicht vorbehandelten Patienten war Dolutegravir plus Abacavir/Lamivudin signifikant wirksamer als die Fixkombination von Efavirenz/Tenofovir/Emtricitabin (Atripla®), berichtete Professor Dr. Jan van Lunzen bei der Einführungspressekonferenz in München. Nach 48 Wochen war das Virus bei 88 Prozent der Patienten im Dolutevir-Arm nicht mehr nachweisbar im Vergleich zu 81 Prozent im Atripla-Arm (Nachweisgrenze HIV-1-RNA < 50 Kopien/ml). Zudem fiel die Viruslast unter Dolutegravir deutlich schneller ab und die Patienten erreichten einen signifikant höheren medianen Anstieg der CD4+-T-Zellen, erklärte der HIV-Experte.
In zwei weiteren Studien mit therapienaiven Patienten war der neue Integrase-Hemmer wirksamer als mit Ritonavir geboostertes Darunavir und gleich wirksam wie Raltegravir (jeweils in Kombitherapien), sagte van Lunzen. Bei Patienten, die bereits eine antiretrovirale Therapie (ohne Integrase-Hemmer) bekommen hatten, war Dolutegravir jedoch wirksamer als Raltegravir, jeweils kombiniert mit einem optimierten Hintergrundregime.
Hatten die Viren bereits eine Resistenz gegen einen der anderen Integrase-Hemmer Raltegravir oder Elvitegravir entwickelt, sprachen sie noch auf das neue Medikament an. Das virologische Ansprechen nahm aber deutlich ab, wenn die Viren mehrere Mutationen entwickelt hatten. Van Lunzen empfahl daher, die Therapie bei einem Versagen rasch umzustellen.
Die häufigsten Nebenwirkungen waren Übelkeit, Durchfall und Kopfschmerzen. Nur 1 bis 2 Prozent der Patienten brachen die Studien aufgrund von Nebenwirkungen ab. Da das neue Medikament nur wenig über CYP-Enzyme verstoffwechselt wird, ist das Interaktionspotenzial vergleichsweise gering. (bmg)
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14.02.2014 l PZ
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