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Neurologie: Nicht jeder Anfall ist Epilepsie

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Ein epileptischer Grand-mal-Anfall ist keine Seltenheit: 5 bis 10 Prozent aller Menschen erleiden einmal in ihrem Leben einen Krampfanfall. «Aber nicht jeder tonisch-klonische Anfall mit Bewusstlosigkeit ist eine Epilepsie», betonte Privatdozent Dr. Burkhard Kasper vom Epilepsiezentrum der Uniklinik Erlangen bei einer Fortbildung der Bayerischen Landesapothekerkammer in Rosenheim. Umgekehrt gebe es viele Epilepsieformen ohne auffällige Anfälle. Die Diagnose werde aber oft erst nach dem ersten Grand-mal-Anfall gestellt.

 

Als Merkmale des Anfalls nannte der Arzt einen initialen «Schrei» des Patienten durch maximale Anspannung aller Muskeln. Der Mensch ist bereits bewusstlos und stürzt. Aus einer sich langsam aufbauenden Versteifung der Muskulatur entwickeln sich bilaterale symmetrische Zuckungen. Bis zur letzten Zuckung dauert es eine bis zwei Minuten. Typisch sei die tiefe Bewusstlosigkeit (Koma), aus der sich der Patient nur langsam und zäh erholt. Symptome wie Zungenbiss, Einnässen oder Verletzungen, zum Beispiel durch Sturz seien häufig, aber unspezifisch.

 

Die wichtigste Differenzialdiagnose ist die kardiogene Synkope, also eine Bewusstlosigkeit durch kurzzeitigen Herzstillstand, sagte Kasper. Aus dem Stand stürzen die Menschen und zeigen oft kurze ruckartige Zuckungen. «Dieses Geschehen dauert deutlich kürzer als eine Minute und der Patient erholt sich sehr schnell», beschrieb der Neurologe die wichtigsten Unterschiede.

 

Erleidet ein Menschen einen Grand-mal-Anfall in der Öffentlichkeit, zum Beispiel in der Apotheke, sollte der Ersthelfer ihn vor Verletzungen schützen, zum Beispiel durch Unterlegen einer Jacke oder Decke. Keinesfalls solle man den Krampfenden festhalten oder aufwecken wollen, betonte Kasper. Der Anfall endet in wenigen Minuten. Dies müsse man abwarten, den Patienten in stabile Seitenlage bringen und bis zur Erholung bei ihm bleiben. Die Gabe von Arzneimitteln sei in der Regel nicht notwendig, da der Anfall – außer beim Status epilepticus – selbstlimitierend verläuft. (bmg)

 

16.09.2013 l PZ

Foto: Fotolia/Kaulitzki