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Seltene Herzkrankheit in der Schwangerschaft

 

Die Peripartum-Kardiomyopathie (PPCM) ist eine seltene Herzerkrankung in der Schwangerschaft, die schlimmstenfalls zu Herzschwäche oder Herzversagen führen kann. Darauf weist die Deutsche Herzstiftung in einer Pressemitteilung hin. Wissenschaftler aus Hannover haben nun in einer For­schungs­arbeit unter anderem neue Erkenntnisse zu Patho­genese, potenziellen Risikofaktoren und Behand­lungs­strategien der seltenen Erkrankung gewonnen, wofür sie von der Deutschen Herzstiftung ausgezeichnet wurden.

 

Eine PPCM betrifft nach Schätzungen in Deutschland wo­mög­lich eine von 2.500 bis 4.000 Schwangeren. Zu den Symptomen zählen Abgeschlagenheit, Atemnot, Reizhusten und Gewichtszunahme durch Wasserein­lagerungen (Ödeme) in den Beinen. Die Erkrankung kann sich bei herzgesunden Frauen gegen Ende der Schwanger­schaft, aber auch noch Monate danach entwickeln. «Uns ist es wichtig, dass die Be­schwerden richtig gedeutet und nicht als normale schwangerschafts­typische Beschwer­den fehlinterpretiert werden. Insbesondere Internisten und Frauenärzte müssen daher unbedingt über die PPCM informiert sein», sagte Dr. Arash Haghikia von der Klinik für Kardiologie und Angiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover in der Pressemitteilung.

 

Im Rahmen der Studie richteten die Forscher ein Register ein, das PPCM-Fälle seit 2004 einschloss. Das Register enthält bislang Daten von 114 Patientinnen mit gesicherter PPCM.

 

Wie die Erkrankung entsteht, ist noch nicht vollständig geklärt. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass womöglich eine fehlerhafte Spaltung des Hormons Prolaktin im Herz eine PPCM auslöst. Das Spaltprodukt kann die Herzmuskelzellen schädigen. Möglicherweise ist die PPCM auch erblich bedingt. Ebenso diskutieren Wissenschaftler Entzündungen, auch autoimmunologische, als mögliche Ursache. «Unsere Studienergebnisse deuten darauf hin, dass Rauchen, Alter, Mehrlingsschwangerschaft und Bluthochdruck in der Schwangerschaft Risikofaktoren für eine PPCM in Deutschland sind», sagt Haghikia in der Pressemitteilung der Deutschen Herzstiftung.

 

Außerdem zeigten die Ärzte, dass der Dopamin-Agonist Bromocriptin, der die Freisetzung von Prolaktin aus der Hypophyse hemmt, zusätzlich zur medikamentösen Therapie der Herzschwäche die Herzfunktion von PPCM-Patientinnen verbessern kann. Von 96 Patientinnen, von denen die Studienautoren Verlaufsdaten erhoben, zeigten 85 Prozent unter Bromocriptin eine Verbesserung der Herzfunktion, 46 Prozent erholten sich vollständig. 14 der 96 Patientinnen sprachen allerdings nicht auf die Therapie an. Der therapeutische Nutzen von Bromocriptin bei der Behandlung der PPCM werde derzeit in einer größeren Studie unter Beteiligung mehrerer Zentren geprüft, so die Deutsche Herzstiftung. (va)

 

doi: 10.1007/s00392-013-1100-1

 

07.08.2013 l PZ

Foto: Fotolia/Astroid