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Steroiddiabetes: Blutzucker postprandial kontrollieren

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Glucocorticoide können den Glucosestoffwechsel stören und sogar einen Diabetes auslösen. Vor allem Patienten, die Steroide langfristig oder in hoher Dosis einnehmen, sind gefährdet. Um einen Steroid-induzierten Diabetes zu entdecken, ist es wichtig, den postprandialen Blutzucker zu kontrollieren. Darauf wies Professor Dr. Wolfgang Sippel vom Klinikum München-Bogenhausen beim Kongress «Diabetologie grenzenlos» Anfang März in München hin.

 

Die morgendliche Nüchtern-Blutglucose ist in der Regel normal, wenn die Patienten nur einmal täglich morgens ein Corticoid einnehmen. Bis zur Mittagszeit steigt der Blutzucker dann an. Erst bei hohen Dosen oder zweimal täglicher Einnahme steige auch der Nüchternwert, informierte der Endokrino­loge. Der Langzeit-Blutzuckerwert sei ebenfalls nicht geeignet zur Diagnose. Ein Blutzuckerwert über 200 mg/dl zwei Stunden nach dem Mittagessen weise auf einen Diabetes hin. Der Arzt empfahl das Screening vor allem für Patienten, die adipös sind, eine familiäre Vorbelastung oder einen Langzeit-Blutzuckerwert HbA1C über 5,7 Prozent haben.

 

Bei Patienten mit manifestem Diabetes steigt der Blutzucker unter einer oralen Corticoidtherapie immer an, warnte Sippel. Daran müsse die antidiabetische Therapie angepasst werden. Doch auch 10 bis 40 Prozent der Nicht-Diabetiker entwickeln unter einer oralen Langzeit-Steroidtherapie einen Steroiddiabetes. Tritt erstmals ein Diabetes auf, könne dies auf eine latente Glucosetoleranz­störung hinweisen. Dies solle man prognostisch beobachten.

 

Entwarnung gab Sippel für topisch angewandte Steroide: Sie beeinflussen den Glucosestoffwechsel nicht. Inhaliert ein Patient Corticoide, zum Beispiel bei Asthma oder COPD, sollte der Blutzucker kontrolliert werden. (bmg)

04.03.2013 l PZ

Foto: Fotolia/Evgeny