Assoziation: Vier Gene, fünf psychische Krankheiten |

Autismus, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), bipolare Störung, Depression und Schizophrenie: All diese verschiedenen psychiatrischen Erkrankungen teilen sich dieselben genetischen Risikofaktoren. Das geht aus einer Publikation in der Online-Ausgabe des Fachjournals «The Lancet» hervor, für die Wissenschaftler der internationalen Forschungsgruppe Psychiatric Genomics Consortium mehr als 33.000 Patienten und fast 28.000 psychisch gesunde Vergleichspersonen europäischer Abstammung untersucht haben. Anhand von Genom-weiten Assoziationsstudien fanden die Forscher vier Genorte, die mit allen fünf Erkrankungen assoziiert waren. Im Einzelnen sind das SNPs (single nucleotide polymorphisms) an bestimmten Loci auf den Chromosomen 3 und 10 sowie in zwei Genen, die für CACNA1C und CACNB2 codieren. Die beiden Letztgenannten sind Komponenten eines spannungsabhängigen Calciumkanals, der von Gehirnzellen gebildet wird.
Anschließende Risikoanalysen bestätigten, dass die identifizierten Gene eine krankheitsübergreifende Rolle spielen, insbesondere für bipolare Störung, Depression und Schizophrenie, also die drei Erkrankungen, die üblicherweise im Erwachsenenalter zuerst auftreten. Eine genauere Untersuchung des Signalübertragungswegs, an dem der betroffene Calciumkanal beteiligt ist, bekräftigte dessen Beteiligung an der Entstehung von allen fünf psychischen Erkrankungen.
«Diese Ergebnisse könnten zur Entwicklung eines neuen Klassifikationssystems für psychiatrische Erkrankungen beitragen, das nicht mehr nur auf klinischen Symptomen basiert, sondern auch biologische Faktoren berücksichtigt», schreiben Alessandro Serretti und Chiara Fabbri von der Universität Bologna in einem begleitenden Kommentar. Die genaue Kenntnis der zugrundeliegenden Genetik könne zudem nicht nur zu einer verbesserten Prävention der Erkrankungen beitragen, sondern vor allem auch zur Entwicklung psychotroper Arzneistoffe mit neuen Angriffspunkten. (am)
doi: 10.1016/S0140-6736(12)62129-1
doi: 10.1016/S0140-6736(13)60223-8
04.03.2013 l PZ
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