Selen: Oft eher schädlich als nützlich |

Selen schützt nicht vor Herzkreislauf-Erkrankungen. Darüber hinaus besteht ein Zusammenhang zwischen Selen-Einnahme und erhöhtem Diabetes-Risiko. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) hin. Für Herzerkrankungen liegt eine aktuelle Metaanalyse aus zwölf randomisierten und kontrollierten Studien mit etwa 20.000 Teilnehmern vor. Diese ergab keinen vorbeugenden Effekt einer Selen-Gabe. Der Mediensprecher der DGE, Professor Dr. Helmut Schatz aus Bochum, verweist zudem auf eine weitere Studie. Diese hat gezeigt, dass unter Selen-Gabe das Risiko für Typ-2-Diabetes bis auf das Dreifache steigen kann. Ähnliches hätten auch schon frühere Studien ergeben.
Viele Endokrinologen setzen Selen therapeutisch bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse wie der Hashimoto-Thyreoiditis ein. «Selen dient als Baustein bestimmter Enzyme, welche bei der Produktion der Schilddrüsenhormone beteiligt sind», erläutert Schatz. Aber auch hier ist die Beweislage für die Notwendigkeit einer Selen-Gabe nach Einschätzung des Experten nicht gesichert: «Dafür müssen dringend prospektive, kontrollierte Therapiestudien mit Selen im Vergleich zu Placebo an einer größeren Anzahl von Patienten durchgeführt werden.»
Menschen nehmen Selen über die Nahrung auf. Fleisch, Meeresfrüchte, Fisch sowie Milch- und Getreideprodukte sind reich an Selen. «Ein Selenmangel ist bei uns höchstens bei Veganern oder künstlich ernährten Menschen zu finden», so Schatz. Gesunde Menschen benötigen keine Selenpräparate, so das Fazit des Mediziners. Eine Einnahme ohne Grund könnte sogar schädlich sein. Zu viel Selen kann eine Selenvergiftung, die Selenose, bewirken. Typische Symptome einer Selenose sind Magen-Darm-Beschwerden, Haarausfall, Nagelveränderungen, Abgeschlagenheit, Reizbarkeit und Nervenirritationen. (ss)
13.02.2013 l PZ
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