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Die Renaissance der Syphilis

 

Die zu den sexuell übertragbaren Infektions­krankheiten zählende Syphilis greift in Deutsch­land wieder um sich. Dieser Trend hält schon seit einigen Jahren an. Darauf wies Professor Dr. Helmut Schöfer beim Internationalen Fortbildungskongress Pharmacon in Davos hin. «Syphilis hat HIV bei den Neuinfektionen in Deutschland wieder überholt», so der Dermatologe vom Universitätsklinikum in Frankfurt am Main. Waren es im Jahr 2010 gut 3000 neugemeldete Fälle, so lag diese Zahl 2011 schon bei 3700 – ein Plus von mehr als 20 Prozent innerhalb eines Jahres. Schöfer sagte, dass vor allem Männer, die Sex mit Männern haben, von der durch das Bakterium Treponema pallidum hervorgerufenen Erkrankung betroffen sind.

 

Schöfer erklärte, dass Syphilis in allen Krankheitsstadien eine außerordentlich variantenreiche klinische Symptomatik aufweist. Die primäre Syphilis beginnt etwa drei Wochen nach der Ansteckung und zeichnet sich insbesondere durch ein nicht schmerzhaftes Ulkus aus, das von alleine wieder verschwindet. Sieben bis zwölf Wochen nach der Infektion und mehrere Wochen nach Abheilen des Primäraffektes beginnt das Sekundärstadium. Typisch sind dann Fieber, Halsschmerzen, Müdigkeit und weitere eher unspezifische Krankheitssymptome, die vor allem nachts auftreten. Auch kann es zu einem „mottenfraßartigen“ Haarausfall und einem rötlichen, nicht juckendem Ausschlag kommen.

 

Während die Syphilis vor einigen Jahrhunderten noch mit hochtoxischen Substanzen wie Quecksilber, Arsen und Thallium mehr oder weniger erfolgreich behandelt wurde, ist der Goldstandard heute die Gabe eines Depot-Penicillins. Patienten erhalten insgesamt 2,4 Millionen Internationale Einheiten Benzylpenicillin-Benzathin (Pendysin®, Tardocillin®) – eine Hälfte in den linken, die andere Hälfte in den rechten Gesäßmuskel injiziert. In einem frühen Stadium der Syphilis reicht eine einmalige Injektion, im Spätstadium oder wenn der genaue Infektionszeitpunkt nicht bekannt ist, muss die Behandlung jeweils im Wochenabstand zweimal wiederholt werden. Bei Penicillin-Allergie werden alternativ Doxycyclin (zweimal 100 mg pro Tag peroral über zwei Wochen im Frühstadium beziehungsweise vier Wochen im Spätstadium), Erythromycin (viermal 500 mg pro Tag peroral über zwei Wochen im Frühstadium beziehungsweise vier Wochen im Spätstadium) oder Ceftriaxon (2 g pro Tag als intravenöse Kurzinfusion an zehn Tagen im Frühstadium und an 14 Tagen bei Spätsyphilis) gegeben. Schöfer zufolge sind diese Alternativen aber alle bei Weitem nicht so effektiv wie das Depot-Penicillin.

 

Schöfer betonte, dass die Syphilis-Therapie bei einer gleichzeitig vorliegenden HIV-Infektion nicht anders zu erfolgen hat. Da die Blut-Hirn-Schranke bei HIV-Patienten für den Erreger durchlässiger ist, erkranken diese Patienten aber häufiger an einer sogenannten Neurosyphilis als Patienten ohne HIV-Infektion. Das sollten Ärzte immer bedenken. Der Mediziner kritisierte, dass der Therapieerfolg in vielen Fällen nicht überprüft wird. Die nicht stattfindende Nachsorge bezeichnete er als großes Manko. (ss)

 

07.02.2013 l PZ

Foto: Fotolia/Sebastian Kaulitzki