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Brivudin: Riskante Partnerwahl

 

Der antivirale Wirkstoff Brivudin (Zostex®) sollte wegen der Gefahr einer potenziell tödlich verlaufenden Wechselwirkung niemals mit 5-Fluoropyrimidinen kombiniert werden. Dazu zählen die antineoplastischen Wirkstoffe 5-Fluorouracil (5-FU) und seine Prodrugs Capecitabin, Floxuridin, Tegafur sowie das antimykotische Flucytosin. Auf diese Wechsel­wirkung wies Dr. Ralf Hartmann vom Bundeswehr­krankenhaus Berlin beim Fortbildungskongress Pharmacon in Davos hin. Die Wechselwirkungen treten auch bei der topischen Applikation von 5-Fluoropyrimidinen auf.

 

Mindestens vier Wochen müssen seit der letzten Anwendung von Brivudin vergangen sein, bevor eine Therapie mit 5-Fluoropyrimidinen begonnen wird. Als eine weitere Vorsichtsmaßnahme sollte bei Patienten, die vor Kurzem Brivudin erhalten haben, die DPD-Enzymaktivität überprüft werden, bevor jegliche Behandlung mit einem 5-Fluoropyrimidin-basierten Arzneimittel begonnen wird. Hartmanns Rat an Heilberufler: «Fragen Sie jeden Patienten, der Brivudin einnehmen soll, ob er gerade eine Chemotherapie erhält oder erhalten hat.»

 

Brivudin wird häufig zur Behandlung eines akuten Herpes zoster verordnet. Es hemmt die virale DNA-Polymerase, aber auch die Dihydropyrimidin-Dehydrogenase (DPD). DPD reguliert den Metabolismus physiologischer Nukleoside wie Thymidin. Es baut aber auch Pyrimidin-basierte Arzneimittel wie 5-FU zum weniger toxischen Dihydro-5-FU ab. Bei gleichzeitiger Gabe von Brivudin kann 5-FU kumulieren. Da Brivudin die DPD irreversibel hemmt, sind mindestens vier Wochen nach letzter Brivudin-Einnahme nötig, bis sich wieder ausreichend funktionsfähige DPD gebildet hat.

 

Kommt es doch dazu, dass Patienten unter Brivudin auch 5-Fluoropyrimidin-haltige Arzneimittel erhalten, sollten im Krankenhaus Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Zum Beispiel lindert Uridin die 5-FU-Toxizität. Zu den häufigsten Symptomen toxischer 5-FU-Spiegel zählen Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö und in schweren Fällen Stomatitis, Mukositis, toxische epidermale Nekrolyse, Neutropenie und Knochenmarksdepression. (ss)

 

08.02.2013 l PZ

Foto: Fotolia/Pixel