Leichtes Übergewicht verlängert das Leben |

Eine paar Pfunde zu viel scheinen mehr zu schützen als zu schaden: Übergewicht senkt einer Metaanalyse zufolge die Sterblichkeit, wenn auch nur geringfügig. Die im Fachjournal «JAMA» erschienene Untersuchung bestätigt damit ältere Studienergebnisse, die als «Adipositas-Paradoxon» bekannt sind. Katherine Flegal und ihre Kollegen vom US-National Center for Health Statistics in Hyattsville werteten insgesamt 97 Studien, die die Auswirkungen des Body-Mass-Index (BMI) auf die Gesamtsterblichkeit untersuchten, mit fast 3 Millionen Probanden aus.
Der Analyse zufolge haben Übergewichtige (BMI 25 bis 30) eine um 6 Prozent niedrigere Mortalität als Normalgewichtige (BMI 18,5 bis 25). Adipositas (alle Grade) erhöht dagegen die Sterblichkeit um 18 Prozent. Dabei muss die Fettsucht differenziert betrachtet werden: Personen mit Grad 1 Adipositas (BMI 30 bis 35) hatten ein um 5 Prozent niedrigeres Sterberisiko, was allerdings nicht signifikant war. Bei stärkerer Adipositas schießt die Sterblichkeit dann aber in die Höhe: Für Grad 2 und 3 ist sie um 29 Prozent erhöht.
Starkes Übergewicht ist somit doch schädlich. Warum ein leichtes Übergewicht aber schützt, obwohl es ein Risikofaktor für verschiedene Erkrankungen ist, ist bisher nicht geklärt. Flegal zufolge könnten für die paradoxen Zusammenhänge kardioprotektive metabolische Effekte verantwortlich sein oder eine bessere medizinische Betreuung von Übergewichtigen. Vielleicht ist aber auch der BMI als Bewertungsmaßstab schlecht geeignet. Er berücksichtigt nicht die Statur der Personen und die Menge an Bauchfett, die für das Krankheitsrisiko entscheidender ist als das Körpergewicht allein. (ch)
doi: 10.1001/jama.2012.113905
03.01.2013 l PZ
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