Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Dapagliflozin: Einsatz bei Typ-1-Diabetes denkbar

 

Der SGLT-2-Inhibitor Dapagliflozin (Forxiga®) erfüllt viele Kriterien, die an ein optimales orales Antidiabetikum zu stellen sind. Zudem haben Vertreter dieser neuen Wirkstoffklasse das Potenzial, auch bei anderen Indikationen als Typ-2-Diabetes eingesetzt zu werden, zum Beispiel bei Typ-1-Diabetes. Das wurde auf einer Presse­konferenz von AstraZeneca und Bristol-Myers Squibb in Frankfurt am Main deutlich. Wie der Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft, Professor Dr. Stefan Matthaei aus Quakenbrück, informierte, ist das Präparat vorerst nur bei Typ-2-Diabetes zugelassen. Bei Metformin-Unverträglichkeit kann der Wirkstoff als Monotherapie zum Einsatz kommen, häufiger wird aber voraussichtlich die Kombination mit anderen oralen Antidiabetika, GLP-1-Analoga oder Insulin stattfinden. Von Metformin über Sulfonylharnstoffe bis hin zu DPP-4-Inhibitoren kommen praktisch alle auf dem Markt gehandelten Antidiabetika als Kombinationspartner infrage. Haupteinsatzbereiche sind laut Matthaei adipöse Typ-2-Diabetiker mit intakter Nierenfunktion, die erst seit wenigen Jahren erkrankt sind. Nicht infrage komme das Medikament bei einer Kreatininclearance kleiner als 60 ml/min. Denn die Wirkung des SGLT-2-Hemmers ist von der Nierenfunktion abhängig und bleibt bei schwerer Nierenfunktionsstörung wahrscheinlich aus.

 

Matthaei informierte, dass Typ-2-Diabetiker von einer HbA1c-Wertsenkung von durchschnittlich 0,5 bis 0,8 Prozent profitieren. Hinzu kämen Gewichtsverlust und eine durchschnittliche Senkung des Blutdrucks von 3 bis 5 mmHg. Der Diabetologe vermutet, dass sich diese Blutdrucksenkung vermutlich auf die Verhinderung makrovaskulärer Ereignisse günstig auswirken wird. Das müsse eine gerade gestartete große Endpunktstudie aber noch endgültig unter Beweis stellen. Der Referent verwies ferner auf die Ergebnisse einer Studie zum Gewichtsverlust. Nur ein Drittel des Gewichtsverlusts geht demnach auf Flüssigkeitsverluste zurück, zwei Drittel seien erfreulicherweise eliminierte Fettmasse.

 

Das Wirkprinzip von Dapagliflozin erlaubt es auch, über weitere Einsatzgebiete nachzudenken. Normalerweise wird Glucose in den Nieren glomerulär filtriert und später im proximalen Tubulus aktiv resorbiert. Der Haupttransporter, der für die Wiederaufnahme von Zucker an dieser Stelle verantwortlich ist, ist SGLT 2, ein Natrium-abhängiger Glucose-Co-Transporter (sodium dependent glucose transporter, SGLT). Paradoxerweise ist die Expression von SGLT-2 bei Diabetes mellitus sogar zusätzlich hochreguliert. Das gilt sowohl für Typ-2-Diabetes als auch für Typ-1-Diabetes und führt in beiden Fällen zu einer zusätzlichen Verschlechterung der Stoffwechsellage. Durch die selektive Blockade von SGLT-2, zum Beispiel mithilfe von Dapagliflozin, lässt sich die Rückresorption von Zucker reduzieren und somit die Ausscheidung überschüssiger Glucose mit dem Harn forcieren. Matthaei hält es durchaus für sinnvoll, in Studien zu untersuchen, ob auch Typ-1-Diabetiker – zusätzlich zur Insulintherapie – von diesem Medikament (oder auch von Metformin) einen Nutzen haben. Zudem hält er es für denkbar, Dapagliflozin auch präventiv einzusetzen, um die Entstehung von Typ-2-Diabetes hinauszuzögern.

 

Dr. Kai Richter aus der Geschäftsleitung von AstraZeneca bestätigte auf der Veranstaltung, dass man über weitere Einsatzgebiete, etwa Typ-1-Diabetes, nachdenke. Keine Zulassung für das Präparat werde allerdings als reines Mittel zur Gewichtsabnahme, etwa bei Adipositas, angestrebt. Vermutlich eine gute Entscheidung. Denn Professor Dr. Roland E. Schmieder äußerte postwendend seine Zweifel, dass eine Gewichtsreduktion bei adipösen Nicht-Diabetikern überhaupt eintreten würde. Den Einsatz bei Prädiabetes hält aber auch der Nephrologe aus Erlangen für ein aussichtsreiches zukünftiges Untersuchungsgebiet. (ss)

 

24.01.2013 l PZ

Foto: Fotolia/Majchrzak