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Alkoholabhängigkeit: Comeback von Nalmefen

 

Nach einem positiven Votum eines Experten­gremiums der europäischen Arzneimittelbehörde EMA wird der Wirkstoff Nalmefen (Selincro®, Lundbeck) voraussichtlich auf den Markt zurückkehren – als Mittel zur Behandlung der Alkoholkrankheit. Früher war es bereits als Antidot bei Opiatüberdosierung im Handel.

 

Anders als die verwandte Substanz Naltrexon ist Nalmefen nicht für die Unterstützung der Abstinenz bei Alkoholabhängigkeit gedacht. Vielmehr soll es erwachsenen Alkoholabhängigen helfen, ihren Alkoholkonsum zu reduzieren. In einer Pressemitteilung schreibt der Hersteller, dass der Wirkstoff für Männer und Frauen, die mehr als 60 beziehungsweise 40 Gramm Alkohol pro Tag aufnehmen, infrage kommt. Sie sollen das Präparat nicht regelmäßig, sondern als Bedarfsmedikation einnehmen. Ein bis zwei Stunden bevor der Patient voraussichtlich zur Flasche greifen wird, soll er dann eine Tablette schlucken. Der Arzt soll Nalmefen gemäß dem EMA-Gremium nur dann verschreiben dürfen, wenn keine körperlichen Entzugssymptome vorliegen und keine Entgiftung vorgesehen ist. Zudem sprechen sich die Experten dafür aus, dass das Medikament nur parallel zu einer psychosozialen Betreuung verschrieben werden darf und dies nur bei Betroffenen, die zwei Wochen nach einer Erstuntersuchung noch immer einen hohen Alkoholkonsum haben.

 

Wie wirkt Nalmefen? Der Genuss von Alkohol führt im mesolimbischen System zur Dopaminfreisetzung, die Lust auf mehr (Alkohol) macht. Die Dopaminausschüttung wird dabei durch die Freisetzung von Endorphinen erleichtert. Nalmefen soll diesem Effekt entgegenwirken und damit den Alkoholkonsum reduzieren, wahrscheinlich, indem es modulierend im cortico-mesolimbischen System eingreift. Die Substanz ist ein Opioidrezeptor-Ligand. An µ- und δ-Rezeptoren wirkt es antagonistisch, an κ-Rezeptoren hat es eine partiell agonistische Aktivität.

 

In Studien mit circa 2000 Patienten, die vor der Studie umgerechnet etwa 1,5 Flaschen Wein tranken, ließ sich zeigen, dass dank Nalmefen der Alkoholkonsum nach einem Monat um etwa 40 Prozent, nach sechs beziehungsweise zwölf Monaten um 60 Prozent reduziert werden konnte, umgerechnet also fast eine ganze Flasche weniger. Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Nalmefen zählen Übelkeit und Schwindel. Nach erfolgter Zulassung will Lundbeck das Präparat Mitte 2013 in Europa auf den Markt bringen. (ss)

 

19.12.2012 l PZ

Foto: Fotolia/Unpict