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Blasenstörung: Eine wenig bekannte Diabeteskomplikation

 

Typ-2-Diabetiker leiden doppelt so häufig an Harntraktbeschwerden als die alterskorrelierte Bevölkerung. Das zeigen die Ergebnisse einer Befragung von mehr als 4000 Typ-2-Diabetikern in einem mittleren Alter von 67 Jahren sowie einer mittleren Diabetesdauer von knapp neun Jahren. Dr. Andreas Wiedemann, Urologe am Evangelischen Krankenhaus Witten, sagte auf der Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft in Berlin, dass 65 Prozent der befragten Männer und 70 Prozent der Frauen von Beschwerden im unteren Harntrakt berichtet hätten. Am häufigsten wurden Nykturie und Pollakisurie von den Befragten angegeben. Fast die Hälfte der Frauen und in etwa jeder vierte Mann mit Typ-2-Diabetes litt aber auch an Harninkontinenz. Wiedemann informierte, dass es sich meistens um eine überaktive Blase handelte, bei Frauen oft im Zusammenspiel mit einer Belastungsinkontinenz.

 

Dem Urologen zufolge erhöht sich das Risiko für Harntraktbeschwerden, wenn zusätzlich mindestens eine Diabeteskomplikation vorliegt, um etwa 15 Prozent. «Typ-2-Diabetiker mit erektiler Dysfunktion sind eine besondere Risikogruppe für Harntraktbeschwerden», betonte Wiedemann. Eine Subgruppenanalyse zeigte, dass 77 Prozent der Männer mit erektiler Dysfunktion Harnwegsbeschwerden angegeben hatten und dies bei Männern ohne erektile Dysfunktion nur bei 45 Prozent der Fall war. Ein besonders hohes Risiko tragen die Männer mit erektiler Dysfunktion für die Entwicklung einer Harndranginkontinenz oder einer überaktiven Blase. Der Urologe sprach von einer insgesamt unterversorgten Risikogruppe. (ss)

 

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20.11.2012 l PZ

Foto: Fotolia/Löhr