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Medikamentenstudie: Leicht verdientes Geld?

 

Viele Studenten stellen sich als Proband für Pharma-Unternehmen zur Verfügung. Doch ist eine Studienteilnahme wirklich leicht verdientes Geld? Probandenstudien sind beliebt bei Studenten, weiß Juliane Hellhammer, Geschäftsführerin beim Auftragsforschungsinstitut Daacro. «Einige kommen sogar mehrfach.» Sie nennt es leicht verdientes Geld.

 

Die Studentin Sarah Küpper liest einen elfseitigen Bogen durch und unterschreibt. «Leicht verdientes Geld», findet auch sie. Dreimal im Institut erscheinen, insgesamt sieben Stunden Aufwand und 150 Euro Entschädigung. Macht einen Stundenlohn von mehr als 21 Euro. Nicht schlecht für einen Studentenjob, findet sie. Wird Blut abgenommen, müssen die Probanden mehrere Tage vor Ort sein. Dann sind es schon mehrere hundert Euro.

 

In Phase-I-Studien gibt es deutlich mehr Geld – «für ein gewisses Risiko», sagt Hellhammer. «Alles, was Wirkungen hat, hat potenziell auch Nebenwirkungen.» Für Gedächtnisexperimente oder Stresstests fällt der Lohn entsprechend niedriger aus. Trotzdem findet das Institut immer genügend Teilnehmer.

 

Wolfgang Becker-Brüser ist Herausgeber des pharmakritischen «Arznei-Telegramms». «Um Nutzen und Schaden von Arzneimitteln zu ermitteln, müssen auch Menschenversuche gemacht werden», sagt er. Dabei sei Transparenz besonders wichtig. «Ein Problem kann sein, dass Leute, die auf das Geld angewiesen sind, an mehreren Tests teilnehmen. Andererseits müssen Testinstitute Risiken klar vermitteln. Beide Seiten müssen mit offenen Karten spielen.»

 

Wird ein Wirkstoff erstmals mit Menschen getestet, dann meist mit jungen Leuten, da für diese Studien vollkommen gesunde Personen nötig sind, erklärt Rolf Hömke, Sprecher für Wissenschaft beim Verband Forschender Arzneimittelhersteller. Vorher wurde der Wirkstoff bereits an Tieren getestet. Für leicht verdientes Geld hält Hömke die Studien nicht. «Man ist oft körperlich eingeschränkt, Zeitaufwand und körperliche Anstrengung sind üblich», erklärt er. Das sehe man schon an den Entschädigungen, die von ein paar Euros bis in die Tausender reichen. «Die werden nicht für nix gezahlt.» Nebenwirkungen hält er für kontrollierbar. «Man fängt eine Phase I nicht mit der Dosis an, die man in eine Tablette tun will, sondern mit einer viel geringeren.» Dennoch sei ständig ein Arzt in der Nähe.

 

Studien mit Menschen sind erst erlaubt, wenn das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) das Medikament als gefahrlos einstuft. Verläuft eine Studie nicht wie geplant, wird sie sofort abgebrochen. «Die Frage ist: Geht es gesunden Menschen schlechter aufgrund der Studie? Aber das gibt es so gut wie nie», sagt Maik Pommer, Sprecher von BfArM. Er mahnt aber: «Wer als Proband von einer Studie in die nächste hüpft, bringt sich in Gefahr.»

 

16.10.2012 l PZ/dpa

Foto: Fotolia/LE image