Chronische Migräne: Medikamente vorbeugend einnehmen! |

Patienten, die sehr häufig unter Migräneattacken leiden, sollten ihre Arzneimittel nicht nach Bedarf, sondern vorbeugend bekommen. Als Prophylaktika der Wahl gelten die Betablocker Metoprolol und Propanolol, der Calciumkanalblocker Flunarizin und die Antiepileptika Valproinsäure und Topiramat. Letzteres wurde in die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft neu aufgenommen, sagte Professor Dr. Hans-Christoph Diener beim Neurologen-Kongress in Hamburg. Der Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Essen nannte als weitere wirksame Therapieoption Onabotulinumtoxin A, das vom Facharzt an verschiedenen Stellen des Kopfes injiziert wird.
Welches Mittel zur Prophylaxe zum Einsatz kommt, hängt unter anderem von auftretenden Nebenwirkungen, Kontraindikationen und der Intensität der chronischen Migräne ab. Zum Beispiel dürfen Schwangere zum Schutz des Ungeborenen keine Valproinsäure einnehmen. Sie ist zudem laut Diener bei Kindern und Jugendlichen nicht wirksam.
«Migränepatienten sollten Medikamente erhalten, wenn nötig; ihr Verhalten anpassen, wenn immer möglich; und Ausdauersport treiben, wenn der Körper dies zulässt», sagte Diener. Verhaltensmaßnahmen seien mindestens genauso wirksam wie medikamentöse Therapien, zum Beispiel Stressbewältigung, Triggervermeidung und vor allem regelmäßiger Ausdauersport. Hier sei die Therapietreue mit 75 Prozent sogar deutlich höher als bei den Medikamenten mit 30 Prozent.
In Bezug auf operative Maßnahmen rät Diener zu Vorsicht: So könne ein Verschluss des Foramen ovale im Herzen eine Migräne mit Aura nicht heilen. Er warnte sogar vor der Durchtrennung des Musculus corrugator oder anderer Gesichtsmuskeln. «Eine Wirkung ist nicht wissenschaftlich belegt. Das ist Körperverletzung!“
Tritt eine Migräneattacke auf, sind Triptane die Medikamente mit der besten Wirksamkeit. «Daran besteht kein Zweifel», so Diener. Bisher bekäme jedoch nur die Hälfte aller Migränepatienten, die mit Schmerzmitteln wie Ibuprofen und Acetylsalicylsäure nicht ausreichend therapiert werden können, diese Wirkstoffe. Dabei seien die meisten Triptane mittlerweile generisch und damit preisgünstig erhältlich. (db)
28.09.2012 l PZ
Foto: Fotolia/Mikitenko