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Bronchiektasen: Antibiotika gegen Lungenkrankheit

 

Die Antibiotika Azithromycin und Ciprofloxacin könnten die Beschwerden von Patienten mit Bronchiektasen lindern. Während zum Gebrauch des ersten Antibiotikums jetzt Studiendaten veröffentlicht wurden, startet das Pharmaunternehmen Bayer ein Studienprogramm mit Ciprofloxacin. Bronchiektasen sind dauerhafte zylindrische, sackförmige oder variköse Erweiterungen der Bronchien. Die Betroffenen leiden unter anderem unter chronischem Husten mit einem spezifischen Auswurf und Atemnot. Bronchiektasen können angeboren oder erworben sein, zum Beispiel infolge einer chronischen Bronchitis oder Infektionen wie Keuchhusten sowie bei gutartigen Tumoren. Es treten immer wieder Infektionen auf, die den Zustand der Bronchien verschlimmern können. «Bei mehr als 60 Prozent der Erwachsenen mit stabilen Bronchiektasen sind die Atemwege mit Bakterien besiedelt, meist mit Vertretern der Stämme Haemophilus influenzae und Pseudomonas aeruginosa», schreibt Bayer in einer Pressemitteilung. Bislang gibt es kaum evidenzbasierte Therapieoptionen. Nach Schätzungen ist einer von 1000 Erwachsenen betroffen; Tendenz steigend.

 

In einer neuseeländischen Studie am Auckland’s Middlemore Hospital untersuchten Forscher um Dr. Conroy Wong den Einfluss des Antibiotikums Azithromycin auf den Krankheitsverlauf an 141 Patienten, deren Bronchiektasen nicht durch Mukoviszidose bedingt waren. Azithromycin soll auch antiinflammatorisch wirken. Die Probanden erhielten dreimal wöchentlich 500 mg Azithromycin oder Placebo über sechs Monate. In der Verumgruppe waren 42 Exazerbationen aufgetreten im Vergleich zu 103 Verschlechterungen in der Kontrollgruppe, schreiben die Forscher im Fachjournal «Lancet». Das entspricht einer relativen Verbesserung um 62 Prozent. Die Zeit bis zum Auftreten der ersten Exazerbation verlängerte sich.

 

Bayer Healthcare hat jetzt ein Phase-III-Programm gestartet, bei dem Patienten mit nicht durch Mukoviszidose bedingten Bronchiektasen Ciprofloxacin erhalten. Die Infektionsschübe sollen vermindert und die Lebensqualität verbessert werden. Dabei wird das Antibiotikum in einer speziellen Formulierung als Trockenpulverinhalation in einer Intervall-Dauertherapie appliziert. Grundlage ist ein Inhalator, der die PulmoSphere™-Technologie von Novartis nutzt. Dabei werden nach Herstellerangaben sehr leichte, poröse Ciprofloxacin-Partikel in einem emulsionsbasierten Sprühtrocknungsprozess hergestellt. Die Teilchen sind weniger als 5 Mikrometer groß. (db)

 

doi: 10.1016/S0140-6736(12)60953-2  (Wong et al.)

 

28.08.2012 l PZ

Foto: Fotolia/psdesign1