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HIV: Resistenzrate in Entwicklungsländern steigt

 

Resistenzen von HI-Viren gegen bestimmte Medikamente steigen seit Einführung der antiretroviralen Therapie in einigen Entwicklungsländern an. Betroffen sind vor allem der Osten und Süden Afrikas, so die Ergebnisse einer im Fachjournal «The Lancet» veröffentlichten Untersuchung. In den meisten Fällen handelt es sich um Resistenzen gegen nicht nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTI).

 

Die Forscher von der Weltgesundheitsorganisation WHO, dem University College in London und der University of California in San Diego werteten Studien aus den Jahren 2001 bis 2011 sowie WHO-Daten aus. Einbezogen waren mehr als 26.000 Patienten aus Afrika südlich der Sahara, Asien und Lateinamerika.

 

Ostafrika verzeichnete mit 29 Prozent den höchsten Resistenzzuwachs pro Jahr. Schätzungsweise sind hier acht Jahre nach Einführung der antiretroviralen Therapie 7,4 Prozent der HIV-Infizierten resistent gegenüber der regulären Behandlung. Im südlichen Afrika war der Anstieg der Prävalenz mit 14 Prozent pro Jahr etwas geringer und liegt sechs Jahre nach großflächigem Therapiestart bei insgesamt 3 Prozent. In West- und Zentralafrika hingegen stieg die Prävalenzrate mit 3 Prozent pro Jahr nicht signifikant an. Besser ist die Lage in Lateinamerika: Hier konnten die Wissenschaftler keinen Resistenzanstieg beobachten. Aufgrund unterschiedlicher Entwicklungen in einzelnen Staaten errechneten die Forscher für Asien keine Daten.

 

Ende 2011 wurden bereits mehr als acht Millionen Menschen in Entwicklungsländern mit einer antiretroviralen Therapie behandelt. Das sind 26-mal mehr Menschen als im Jahr 2003. Bis 2015 sollen nach Angaben von UNAIDS 15 Millionen von geschätzt 33,3 Millionen Infizierten weltweit erhalten.

 

Seit Einführung der Therapie sei die Mortalität von HIV-Infizierten im südlichen Afrika wesentlich gesunken, schreiben die Autoren. Allerdings versage die Erstlinien-Therapie mit NNRTI bei bis zu 24 Prozent aller Patienten innerhalb von zwölf Monaten. Experten schätzen, dass zwischen 53 und 90 Prozent dieser Patienten mit HIV-Stämmen infiziert sind, die resistent gegenüber NNRTI sind. Mehr als die Hälfte dieser Resistenzen führen die Forscher auf die Mutation K103N zurück. Die Autoren sehen es daher als wichtiges Ziel, zukünftig in Entwicklungsländern routinemäßige Resistenztests im Rahmen nationaler Behandlungsprogramme einzuführen. (va)

 

doi: 10.1016/S0140-6736(12)61038-1

 

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24.07.2012 l PZ

Foto: Fotolia/Kaulitzki