Prognose: Krebszahlen werden massiv steigen |

Die weltweite Zahl der Krebserkrankungen könnte bis zum Jahr 2030 um mehr als 75 Prozent ansteigen. Dies ist das Ergebnis einer Studie der International Agency for Research on Cancer (IARC) in Lyon, die in der Fachzeitschrift «Lancet Oncology» publiziert wurde. Für einige Entwicklungsländer sagen die Wissenschaftler sogar einen Anstieg von mehr als 90 Prozent voraus.
Die Forscher um Dr. Freddie Bray untersuchten erstmals, wie häufig verschiedene Krebsarten in 184 Ländern mit unterschiedlichem Entwicklungsstand auftraten und wie oft sie zum Tod führten. Dabei teilten sie die Länder nach dem sogenannten Human Development Index (HDI) ein. Der HDI errechnet sich unter anderem aus der Lebenserwartung, dem Pro-Kopf-Einkommen und der Dauer der Schulbildung im jeweiligen Land. Deutschland lag 2011 auf Rang neun der Liste und gehört damit zu den 47 Nationen mit sehr hohem Entwicklungsstand.
Die Studie ergab, dass in Ländern mit niedrigem Entwicklungsstand vor allem jene Krebsarten auftreten, die durch Infektionen verursacht werden, etwa Gebärmutterhals-, Leber- und Magenkrebs. In höher entwickelten Ländern treten diese Formen immer seltener auf, dafür steigt hier die Anzahl der Krebserkrankungen, bei denen ein «westlicher» Lebensstil als Ursache angenommen wird. Brust-, Prostata-, Darm- und Lungenkrebs etwa werden mit Faktoren wie ungesunder Ernährung, Fettleibigkeit und Rauchen in Verbindung gebracht.
Die Studienautoren warnen, dass auch jene Nationen, die heute noch einen mittleren bis niedrigen HDI aufweisen, durch steigende Lebensstandards in den kommenden Jahrzehnten vermehrt unter diesen Krebsformen leiden werden. Dies sowie der zu erwartende demografische Wandel könnten dazu führen, dass die Zahl der Neuerkrankungen in Ländern mit mittlerem HDI wie Indien, China oder Südafrika bis 2030 um 78 Prozent zunimmt, in Ländern mit niedrigem HDI sogar um 93 Prozent. «Die Studie zeigt, wie sehr sich das Auftreten bestimmter Krebsformen in unterschiedlichen Regionen der Welt mit der Zeit verändern wird», sagte Dr. Christopher Wild, Direktor des IARC. «Die Länder müssen sich auf diese Herausforderung einstellen und mit gezielter Prävention, Früherkennung und effektiver Behandlung auf den zu erwartenden Anstieg der Neuerkrankungen reagieren.»
Insgesamt ist Krebs heute eine Krankheit der Wohlstandsnationen. So traten 2008 40 Prozent der Neuerkrankungen in Ländern mit sehr hohem Entwicklungsstand auf, obwohl hier nur 15 Prozent der Weltbevölkerung leben. (ah)
doi: 10.1016/S1470-2045(12)70211-5
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01.06.2012 l PZ
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