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Demenzpatienten: Vom Krankenhaus ins Pflegeheim

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Wenn demenzkranke Menschen, zum Beispiel wegen eines Herzproblems oder eines Sturzes, ins Krankenhaus müssen, sind sie dort oft schlecht versorgt. Eine Studie des Lehrstuhls für Geriatrie der Universität Witten/Herdecke bemängelt pflegerische und medizinische Defizite. «Für diese Patienten mit kognitiven Störungen wird der Aufenthalt zu einer Einbahnstraße in ein Pflegeheim, weil die Untersuchungen und Behandlungen die Verwirrung weiter steigern können. Man kann von einer nicht bedarfsgerechten Versorgung sprechen», so der Geriatrieprofessor Dr. Ingo Füsgen, der die Studie zusammen mit Dr. Dag Schütz veröffentlicht hat. Basis ist eine deutschlandweite Befragung von rund 133 Pflegedirektionen in Krankenhäusern.

 

Den Erhebungen zufolge leiden etwa 30 Prozent aller Patienten in Krankenhäusern unter Hirnleistungsstörungen oder Demenz. In geriatrisch spezialisierten Krankenhausabteilungen ist es sogar die Hälfte der älteren Patienten. Doch die Krankenhäuser sind laut Füsgen auf diese Patientengruppe nicht eingestellt. Man wisse aus der bisherigen Forschung, dass Patienten mit Demenz bis zu sieben Tage länger im Krankenhaus bleiben, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität. «Das Personal kann mit den kognitiven Störungen nicht richtig umgehen.» Weder Ärzte noch Pflegende seien auf die verwirrten Patienten eingestellt und unzureichend dafür ausgebildet. «Deshalb steigern sie die Verwirrung oft noch und die Patienten müssen ins Pflegeheim. Das ist für die Patienten und die Angehörigen schlimm, aber auch für die Gesellschaft, die die Kosten tragen muss», sagt der Geriater.

 

Füsgen fordert spezielle Weiterbildungen für Ärzte und Pflegende im Umgang mit Demenzpatienten, Erfassung des Risikopotenzials bei der Aufnahme, wie es beispielsweise für das Wundliegen längst üblich ist, und Anpassungen bei den Fallpauschalen. (bmg)

 

25.06.2012 l PZ

Foto: Fotolia/Kneschke