Neue Medikamente: Lauer-Taxe ohne reale Preise |

Im Streit über die Vertraulichkeit von Erstattungsbeträgen für neue Medikamente ist möglicherweise ein Kompromiss in Sicht. Demnach soll der verhandelte Preis nicht in der Lauer-Taxe erscheinen, wie der GKV-Spitzenverband in einem Argumentationspapier zur AMG-Novelle vorschlägt, das der Pharmazeutischen Zeitung vorliegt. Im Software-System der Apotheke würde dann nur der vom Hersteller festgesetzte Listenpreis genannt. Bei der Bestimmung von Festbeträgen und bei anderen Steuerungsinstrumenten sollen die Kassen aber den reduzierten Erstattungsbetrag zugrunde legen dürfen. Somit würden lediglich Pharmahersteller und Kassen die Höhe des tatsächlich gezahlten Preises kennen, die Apotheker und die Öffentlichkeit jedoch nicht.
Mit dem Vorschlag kommt der Kassenverband den Herstellern einen großen Schritt entgegen. Die Pharmaindustrie will die Erstattungsbeträge geheim halten. Sie fürchtet, dass die Arzneimittelpreise sonst auch in anderen Ländern sinken, die sich am deutschen Preisniveau orientieren. Der GKV-Spitzenverband weist aber darauf hin, dass die Import-Regelung nicht mehr durchführbar ist, wenn die Erstattungsbeträge aus der Lauer-Taxe herausgenommen werden. Aktuell müssen Apotheker 5 Prozent ihres Umsatzes mit Importarzneimitteln erzielen. Der Preis für das importierte Medikament muss dabei mindestens 15 Prozent oder 15 Euro unter dem des Bezugsarzneimittels in Deutschland liegen. Eine solche Preisbeurteilung kann der Apotheker aber nicht vornehmen, wenn er die tatsächlichen Erstattungsbeträge nicht kennt. (sch)
21.05.2012 l PZ
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