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Gute Gene, gutes Gedächtnis

 

Wie gut das emotionale Gedächtnis funktioniert, ist zumindest teilweise genetisch festgelegt. Menschen mit einer Veranlagung zu sehr guter Gedächtnisleistung haben davon sowohl Vor- als auch Nachteile: Einerseits können sie sich emotionale Details beispielsweise eines Bildes besser merken als andere. Auf der anderen Seite bleiben ihnen aber auch unangenehme Erlebnisse präsenter, sie erkranken daher häufiger an einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) als Menschen, die sich weniger gut erinnern können. Das schreiben Wissenschaftler um Dominique J.-F. de Quervain von der Universität Basel jetzt im Fachjournal «PNAS».

 

Die genetische Variante, die in der Studie mit guter emotionaler Gedächtnisleistung korrelierte, ist der Single Nucleotide Polymorphism (SNP) rs4790904 in einem Abschnitt des Erbguts, der für die Proteinkinase Cα kodiert. In einem Versuch zeigten die Forscher etwa 700 gesunden Freiwilligen zunächst einige Fotografien mit emotionalen Motiven und baten die Probanden kurze Zeit darauf, den Inhalt der Bilder wiederzugeben. Abhängig davon, ob die Probanden über keine, eine oder zwei Kopien des fraglichen Genabschnitts verfügten, erinnerten sie nur wenige bis sehr viele Details.

 

Ihre These, dass diese Genvariante das Risiko für eine PTBS erhöhen könnte, überprüften die Forscher an knapp 350 Überlebenden des Völkermords in Ruanda. Auch hier zeigte sich, dass die Menschen abhängig von ihrer genetischen Ausstattung viele oder wenige Erinnerungen an die schrecklichen Erlebnisse während des Bürgerkriegs hatten. Träger der identifizierten Genvariante litten überdurchschnittlich oft an einer PTBS. (am)

 

doi: 10.1073/pnas.1200857109

 

15.05.2012 l PZ

Foto: Fotolia/carlosgardel