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Apotheken-Museum erwirbt Sertürner-Nachlass

 

Das Deutsche Apotheken-Museum in Heidelberg hat den Nachlass des bedeutenden Pharmazeuten Friedrich Wilhelm Sertürner erstanden. Dies gab der Vorstandsvorsitzende der Deutschen-Apotheken-Museum-Stiftung, Dr. Hermann Vogel, in einer Pressekonferenz in Heidelberg bekannt. Der Erwerb sei «Anlass zu großer Freude», sagte Vogel, «nicht nur für die Geschichte der Pharmazie, sondern auch für die deutsche Ideengeschichte».

 

Sertürner gilt als Entdecker des Morphins und Begründer der modernen Arzneimittelforschung. 1804 hatte er aus Opium erstmals den Wirkstoff Morphin isoliert - und damit die Arzneistoffklasse der Alkaloide entdeckt. Morphin war der erste pflanzliche Arzneistoff in Reinform. Schnell wurden mit Sertürners Methode weitere Wirkstoffe entdeckt. Sie konnten exakt dosiert werden und machten in der Folge die Experimentelle Pharmakologie erst möglich. Nicht zuletzt war Sertürners Entdeckung auch ein Segen für die Schmerztherapie – Morphin und andere Opiate sind hier bis heute unverzichtbar.

 

Die Direktorin des Museums, Dr. Elisabeth Huwer, sprach von einer «Sternstunde» für ihr Haus. Seit Sertürners Tod im Jahr 1841 hatte sich sein Nachlass im Besitz der Nachkommen befunden. Nun übergaben die Ur-Ur-Enkel des Paderborner Pharmazeuten dem Museum eine Holztruhe mit Briefen, Manuskripten, Druckfahnen, Urkunden und Zeichnungen ihres berühmten Vorfahren.

 

Nur einen Bruchteil dieser Dokumente konnten die Mitarbeiter des Museums bislang sichten. Ein großer Teil der 300 bis 400 Seiten handschriftlicher Manuskripte ist bislang unveröffentlicht. In Kooperation mit der Universität Marburg sollen die Papiere in den kommenden Jahren ausgewertet werden. Daneben enthält der Nachlass auch private Zeugnisse – etwa einen Brief Sertürners an seine zukünftige Frau sowie zwei Porträtminiaturen.

 

Bereits in der kommenden Woche werden erste Exponate den Museumsbesuchern präsentiert. Zum 175. Todestag Sertürners im Jahr 2016 ist eine große Präsentation geplant. Langfristig sollen alle Manuskripte digitalisiert und somit einem weltweiten Publikum verfügbar werden.

 

Finanziert wurde der Kauf durch die Kulturstiftung der Länder, die Dr. August und Dr. Anni Lesmüller-Stiftung sowie den Förderverein Deutsches Apotheken-Museum. (ah)

 

16.05.2012 l PZ

Foto: Deutsches Apotheken-Museum Heidelberg