Praxisgebühr: Jedes Mal 5 Euro statt 10 Euro pro Quartal |

Gesundheitsökonomen fordern, die Praxisgebühr auf alle Arztbesuche auszuweiten. Damit könnte die im internationalen Vergleich sehr hohe Zahl an Arztkontakten in Deutschland gesenkt werden, sagte Professor Dr. Friedrich Breyer, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Gesundheitsökonomie (DGGÖ), in Berlin. Pro Arztbesuch sollen die Versicherten nach Vorstellung der Gesellschaft eine reduzierte Praxisgebühr von 5 Euro zahlen. Entfallen könnte im Gegenzug die Zuzahlung im Krankenhaus, die während der ersten 28 Tage eines Klinikaufenthalts bei 10 Euro am Tag liegt. «Die Gebühr hat keine Steuerungswirkung, da der Patient über die Dauer eines Krankenhausaufenthalts in der Regel nicht selbst entscheiden kann», argumentierte Breyer.
Darüber hinaus bezeichnete er die Praxisgebühr in ihrer derzeitigen Form als misslungen. Heute zahlen die Versicherten beim ersten Arztbesuch im Quartal 10 Euro Gebühr. Der Aufwand etwa durch das Ausstellen von Überweisungen stehe jedoch in keinem Verhältnis zum Aufkommen der Praxisgebühr von rund 1,5 Milliarden Euro bei den Ärzten und 400 Millionen bei den Zahnärzten. Darüber hinaus habe die Gebühr kaum zu weniger Arztbesuchen geführt. Mit durchschnittlich 17 Arztbesuchen im Jahr belegen die Deutschen weltweit eine Spitzenposition.
Durch eine um 5 Euro gesenkte Praxisgebühr – bei gleichzeitiger Streichung der Zuzahlung im Krankenhaus – würden die Versicherten kaum mehr belastet als bislang, sagte Breyer. Die DGGÖ schätzt den Betrag auf 2,4 Milliarden statt 2,2 Milliarden Euro im Jahr. Der Steuerungseffekt wäre jedoch weit größer und könnte langfristig sogar zu einer Dämpfung der Beiträge führen.
Die Praxisgebühr steht seit Wochen in der Diskussion. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) denkt angesichts der Milliardenüberschüsse in der Gesetzlichen Krankenversicherung darüber nach, die Gebühr komplett zu streichen. (sch)
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