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Schwere Impfkomplikationen sind selten

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Das Nutzen-Risiko-Profil der in Deutschland zugelassenen Impfstoffe ist weiterhin positiv. Das ergab eine Auswertung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) von allen gemeldeten Verdachtsfällen von Nebenwirkungen beziehungsweise Impfkomplikationen aus dem Jahr 2009, veröffentlicht im «Bulletin für Arzneimittelsicherheit». 2009 erhielt das Paul-Ehrlich-Institut insgesamt 1804 Einzelfallmeldungen über Verdachtsfälle von unerwünschten Impfreaktionen, 746 dieser Meldungen kamen von den Gesundheitsämtern. Ausgenommen aus der Statistik sind Verdachtsmeldungen zu pandemischen Influenza-A/H1N1-Impfstoffen, da diese vom PEI gesondert veröffentlicht wurden.

 

Das Institut bewertete den Zusammenhang zwischen der Impfung und der unerwünschten Reaktion in 29 Prozent der Fälle als wahrscheinlich. In 35 Prozent der Verdachtsfälle gilt ein Kausalzusammenhang als möglich, in 7 Prozent als unwahrscheinlich. Bei weiteren 29 Prozent der Meldungen war keine abschließende Beurteilung möglich, da benötigte Informationen nicht vollständig waren. Bei keinem Verdachtsfall sieht die Behörde einen ursächlichen Zusammenhang gesichert.

 

Die häufigsten gemeldeten unerwünschten Reaktionen waren unter anderem Fieber (4,6 Prozent), Erytheme an der Injektionsstelle (2,8 Prozent), Kopfschmerzen (2,5 Prozent) und Krampfanfälle (2,2 Prozent). Insgesamt wurden dem PEI zehn Fälle von Einstülpungen von Darmabschnitten (Invagination) bei Kindern unter zwei Jahren nach Rotavirusimpfungen berichtet. Das PEI wertete dies als Risikosignal, das heißt, der Verdacht liegt nahe, dass es sich um einen kausalen Zusammenhang handelt. Auch epidemiologische Studien haben bereits eine Assoziation zwischen Rotavirusimpfung und dem Auftreten einer Invagination, häufig innerhalb von sieben Tagen nach der ersten Dosis, gezeigt.

 

Bei 22 Meldungen blieben bei den Patienten Schäden nach der Impfung zurück. Es handelte sich um verschiedene Impfstoffe und es war kein bestimmtes Nebenwirkungsmuster erkennbar. Bei drei dieser Fälle sei ein Zusammenhang möglich, meint das PEI. Bei einem Patienten trat eine leukozytoklastische Vaskulitis mit Alopezie und Polyarthritis nach einer Influenza-Impfung auf, bei zwei weiteren Patienten entwickelte sich eine Entzündung des Armnervengeflechts (Plexusneuritis) nach einer Influenza- beziehungsweise FSME-Impfung.

 

Bei insgesamt 24 Fällen (1,3 Prozent) wurde ein tödlicher Ausgang berichtet. Bei zwei dieser Fälle, bei denen die Patienten an einer ANCA (Antineutrophil Cytoplasmatic Antibodies)-assoziierten Vaskulitis nach der saisonalen Grippeimpfung verstarben, sieht das PEI einen möglichen Zusammenhang mit der Impfung. Bei 21 der Verdachtsfälle mit Todesfolge bestand jedoch keine Kausalität mit der Impfung, ein weiterer Fall konnte wegen lückenhafter Daten nicht bewertet werden. (va)

 

28.03.2012 l PZ

Foto: Fotolia/Sura Nualpradid