Vandetanib: Neuer Arzneistoff gegen Schilddrüsenkrebs |

2012 könnte der Tyrosinkinase-Hemmer Vandetanib (Caprelsa® von Astra-Zeneca) in der EU auf den Markt kommen. Der orale Kinase-Inhibitor blockt zum einen die Blutzufuhr des Tumors über den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor (VEGF). Zum anderen reduziert Vandetanib Wachstum und Überleben des Tumors über den epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor (EGFR) und sogenannte RET-Signalwege. Letztere leiten Signale von außen in das Innere der Zelle und gelten als Proto-Onkogene. RET steht für «rearranged during transfection».
Der RET-Signalweg spielt auch bei medullärem Schilddrüsenkrebs eine Rolle. Diese bösartige Erkrankung betrifft die parafollikulären Calcitonin-produzierenden Zellen (C-Zellen). Ungefähr 5 bis 10 Prozent der Schilddrüsenkarzinome fallen auf diese auch C-Zell-Karzinom genannte Erkrankung.
Da die C-Zellen nichts mit dem Iodstoffwechsel zu tun haben, ist eine Radioiodtherapie sinnlos. Bislang wird operiert und bestrahlt. Vandetanib wäre der erste Arzneistoff in dieser Indikation. In den USA hat er bereits seit April 2011 eine Zulassung. Die Europäische Arzneimittelagentur hat im November eine Zulassungsempfehlung ausgesprochen.
Vandetanib soll als Filmtablette in den Dosierungen 100 und 300 Milligramm auf den Markt kommen. Indiziert ist es bei inoperablem lokal fortgeschrittenem oder metastasierendem C-Zell-Karzinom. Die Liste der Nebenwirkungen ist lang, wie bei anderen Tyrosinkinase-Hemmern auch. Dazu zählen Infekte, Schlaflosigkeit, Depressionen, Sehstörungen, Übelkeit und Erbrechen, Hautreaktionen, Herz-Kreislauf- und weitere Symptome. (db)
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29.12.2011 l PZ
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