Ärger um die «Pille danach» |

In Großbritannien macht der Staat dieses Jahr jungen Frauen vorsorglich ein besonderes Weihnachtsgeschenk: die «Pille danach». Die staatliche Schwangerschaftsberatung BPAS stellt das Notfallkontrazeptivum Frauen bei Internetbestellung nach telefonischer Beratung kostenlos zur Verfügung, zusammen mit Kondomen und einer Beratungsbroschüre. Hintergrund ist, dass laut BPAS im Januar deutlich mehr ungewollte Schwangerschaften gemeldet werden als in anderen Monaten. Bei Abtreibungsgegnern und einigen Politikern stieß die Aktion auf massiven Protest.
Die «Pille danach» ist in Großbritannien nicht verschreibungspflichtig und normalerweise für 26 Britische Pfund (etwa 30 Euro) in Apotheken erhältlich. Auch in den USA gibt es die Notfallkontrazeption seit 2006 ohne Rezept, bislang allerdings nur für Frauen ab 17 Jahren. Laut einem Bericht der «Financial Times Deutschland» (FTD) hatte sich die Arzneimittelbehörde FDA dafür ausgesprochen, die Verschreibungspflicht auch für jüngere Mädchen aufzuheben. Das Gesundheitsministerium folgte dieser Empfehlung jedoch nicht – ein bislang einmaliger Vorgang in der Geschichte der USA.
Laut FTD hatte FDA-Leiterin Margaret Hamburg erklärt, sie habe wegen ausreichend «wissenschaftlich basierter Belege» keine Bedenken gegen den rezeptfreien Verkauf an Frauen jeden Alters. Die Entscheidung der US-Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius scheint daher rein politisch motiviert zu sein. Ihre Eigenmächtigkeit steht im Widerspruch zu einer Aussage von US-Präsident Barack Obama, der 2009 erklärte, dass «politische Beamte keine wissenschaftlichen oder technologischen Resultate und Erkenntnisse zurückhalten oder verändern dürfen.»
In Deutschland sind postkoitale Kontrazeptiva nur nach ärztlicher Konsultation auf Rezept erhältlich. Der Berufsverband der Frauenärzte plädiert dafür, die Regelung beizubehalten. Zum einen sei die enthaltene Levonorgestrel-Dosis 15-mal höher als in regulären Kontrazeptiva. Damit ist eine höhere Wahrscheinlichkeit für Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Übelkeit gegeben. Zum anderen würde die Hälfte der Frauen und Mädchen, die die «Pille danach» verlangen, sie gar nicht brauchen. Daher sei eine kompetente Beratung wichtig. Die Freigabe aus der Rezeptpflicht würde die Rate der Schwangerschaftsabbrüche nicht reduzieren. (db)
09.12.2011 l PZ
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