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Autoimmunerkrankungen: Krebsrisiko steigt

 

Die meisten Autoimmunerkrankungen führen zu einem erhöhten Krebsrisiko im Verdauungstrakt. Es gibt aber auch Ausnahmen: Patienten mit rheumatoider Arthritis beispielsweise haben vermutlich ein niedrigeres Erkrankungsrisiko. Das haben Forscher um Kari Hemminki am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) herausgefunden. Dabei untersuchten sie mithilfe des schwedischen Krebsregisters alle Personen, die dort nach 1964 im Krankenhaus wegen einer Autoimmunerkrankung behandelt wurden und bis zum Jahr 2008 an Krebs erkrankten, wie sie im Fachjournal «Annals of Oncology» schreiben.

 

Danach zeigen zum Beispiel Patienten, die an Myasthenia gravis (Störung der neuromuskulären Erregungsübertragung) leiden, ein fast dreifach erhöhtes Risiko für Speiseröhrenkrebs. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, systemischen Lupus und die Schuppenflechte (Psoriasis) brachten die Forscher mit mehreren Krebsarten des Verdauungstraktes in Verbindung.

 

Eine mögliche Ursache für ein erhöhtes oder verringertes Risiko sehen die Forscher in der Medikation. Eine Behandlung mit immunsuppressiven Arzneimitteln kann dazu führen, dass das Immunsystem nicht mehr in der Lage ist, Tumorzellen effizient zu bekämpfen. Antiphlogistische Arzneistoffe wie Acetylsalicylsäure, die in vielen antirheumatischen Medikamenten enthalten ist, könnten hingegen einer Krebserkrankung vorbeugen. Hemminki zieht folgendes Fazit aus den Studienergebnissen: «Ärzte sollten ihren Patienten mit Autoimmunerkrankungen empfehlen, regelmäßig an Krebsfrüherkennungsprogrammen teilzunehmen.» (ar)

 

doi: 10.1093/annonc/mdr333

 

10.10.2011 l PZ

Foto: Fotolia/ag visuell