AkdÄ-Warnung: Agranulozytose nach Metamizol |

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) weist in einer «Drug-Safety-Mail» auf die Möglichkeit von Agranulozytosen unter der Therapie mit Metamizol hin. Diese schwerwiegende Nebenwirkung sei zwar sehr selten, aber häufiger als gedacht. Aktueller Anlass für die Warnung ist der Fall einer 41-jährigen Frau ohne relevante Vorerkrankungen, die nach Metamizol-Einnahme eine Agranulozytose entwickelte. Die Patientin hatte aufgrund von Wirbelsäulenbeschwerden etwa zehn Wochen lang dreimal täglich 30 Tropfen Metamizol sowie gelegentlich Ibuprofen eingenommen.
Bei einer Agranulozytose handelt es sich um eine plötzliche Zerstörung bestimmter weißer Blutkörperchen (Granulozyten) im Blut. Die Erkrankung ist sehr selten und wird überwiegend durch Arzneimittel ausgelöst. Im Fall der 41-jährigen Patientin kommt aus Sicht der AkdÄ neben Metamizol auch Ibuprofen als Ursache für die Agranulozytose infrage. Für das breit eingesetzte Ibuprofen wurden jedoch laut AkdÄ seit 1990 nur Einzelfälle von Agranulozytosen gemeldet. Dagegen handelt es sich bei der Erkrankung um eine bekannte mögliche Nebenwirkung von Metamizol, die in den 1970er-Jahren in vielen Ländern sogar zur Marktrücknahme des Arzneistoffs geführt hat.
In Deutschland hat sich die Zahl der ambulanten Metamizolverordnungen seit 1990 auf etwa 110 Millionen im Jahr 2009 mehr als verzehnfacht, schreibt die AkdÄ. Parallel dazu sei eine Zunahme der Spontanmeldungen von Agranulozytosen durch Metamizol zu verzeichnen. Die Kommission hält daher eine Erinnerung an diese seit Langem bekannte mögliche Nebenwirkung für erforderlich. (am)
19.08.2011 l PZ
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