Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Herzinfarktrisiko: Einmal ASS, immer ASS

 

Patienten, die nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (ASS) zur Sekundärprophylaxe einnehmen, sollten das Medikament nicht eigenmächtig absetzen. Denn das erhöht ihr Risiko für ein erneutes kardiovaskuläres Ereignis, wie spanische und schwedische Wissenschaftler jetzt im «British Medical Journal» schreiben. Ihren Berechnungen zufolge steigt das Risiko für nicht tödliche Herzinfarkte und Tod aufgrund koronarer Herzkrankheit kurz nach dem Absetzen von ASS um 43 Prozent. Die der Studie zugrunde liegenden Zahlen stammen aus einer britischen Datenbank, in der mehr als drei Millionen Patienten von allgemeinmedizinischen Praxen registriert sind («The Health Improved Network», THIN). Als Geldgeber war an der Studie unter anderem die Firma AstraZeneca beteiligt.

 

Im THIN fanden die Autoren knapp 40 000 Patienten, die nach einem kardiovaskulären Ereignis eine Therapie mit 75 bis 300 Milligramm ASS täglich begonnen hatten. Diese beobachteten sie im Durchschnitt für etwas mehr als drei Jahre. Sie stellten fest, dass das Ausmaß, in dem das Risiko für einen Herzinfarkt mit nicht tödlichem Ausgang kurz nach dem Absetzen von ASS ansteigt, in etwa demjenigen entspricht, um das die kontinuierliche Einnahme des Thrombozyten-Aggregation-Hemmers das kardiovaskuläre Risiko senkt. Lag der Therapieabbruch jedoch bereits längere Zeit zurück, hatten die Patienten im Vergleich zu denjenigen mit kontinuierlicher ASS-Einnahme kein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko. Der Risikoanstieg war demnach auf die Zeit kurz nach dem Absetzen von ASS beschränkt. Wie lange die Patienten das Medikament zuvor eingenommen hatten, war dabei unerheblich.

 

Die Ergebnisse dieser Studie bestätigen die früherer Arbeiten, in denen sich bereits ein Anstieg des kardiovaskulären Risikos nach Absetzen niedrig dosierter ASS gezeigt hatte. Die Autoren sehen weiteren Forschungsbedarf zur Klärung der Frage, warum Patienten ohne ersichtlichen Grund den Arzneistoff einfach absetzen. Sie zitieren Untersuchungen, denen zufolge etwa die Hälfte der Patienten nach jahrelanger ASS-Einnahme die Therapie eigenmächtig beendet. Mögliche Gründe sind aus ihrer Sicht, dass die Patienten die Einnahme schlicht vergessen, dass sie keinen therapeutischen Nutzen sehen oder dass sie unter Nebenwirkungen leiden, von denen sie ihrem Arzt nicht berichten. (am)

 

doi: 10.1136/bmj.d4094

 

28.07.2011 l PZ

Foto: Fotolia/mihalec