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Harnwegsinfekte: Cranberries sind Antibiotika unterlegen

 

Trimethoprim-Sulfamethoxazol (TMP-SMX) scheint in der Langzeit-Chemoprophylaxe von wiederkehrenden Harnwegsinfektionen bei Frauen effektiver zu sein als Cranberry-Extrakt. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine kürzlich veröffentlichte Vergleichsstudie. 221 prämenopausale Frauen, die im Vorjahr mindestens drei Harnwegsinfektionen erlitten hatten, nahmen an der randomisierten Doppelblindstudie teil. Über zwölf Monate erhielten die Frauen in der ersten Gruppe einmal täglich 480 Milligramm TMP-SMX am Abend und tagsüber jeweils zweimal eine Placebokapsel. In der Vergleichsgruppe nahmen die Patientinnen abends Placebo ein und tagsüber zweimal Cranberry-Kapsel mit 500 Milligramm Extrakt. Während der Studie und in den ersten drei Monaten danach fand monatlich eine Untersuchung statt.

 

Die Ergebnisse haben die Wissenschaftler im Team um Mariëlle A. J. Beerepoot von der Universität Amsterdam in «Archives of Internal Medicine» veröffentlicht. Während die Rezidivrate unter Antibiotikum in den ersten zwölf Monaten bei durchschnittlich 1,8 lag und die Rezidive im Durchschnitt nach acht Monaten erfolgten, erlitten die Frauen in der Cranberry-Gruppe rund vier Harnwegsinfekte. Zudem traten diese deutlich früher auf. Im Durchschnitt kam es bereits nach vier Monaten zum Rezidiv.

 

Erwartungsgemäß schnitt der Cranberry-Extrakt in puncto Resistenzen besser ab. Bereits nach einem Monat Antibiotika-Gabe lag die Resistenz von E. coli bei mehr als 85 Prozent, in der Cranberry-Gruppe war das bei weniger als 30 Prozent der Proben der Fall. Wie die Forscher schreiben, sank die Resistenzrate bereits drei Monate nach Absetzen des Antibiotikums wieder auf den Wert vor der Studie zurück.

 

Da viele Frauen einer langfristigen Antibiotika-Einnahme kritisch gegenüberstehen, könnte laut den Studienautoren Cranberry-Extrakt trotz der geringeren Effektivität im Vergleich zum Antibiotikum in einigen Fällen eine Alternative darstellen. Auch Professor Dr. Bill J. Gurley von der University of Arkansas in Little Rock ist offenbar vom potenziellen Nutzen von Cranberry-Extrakt überzeugt. Er bringt die schlechte Bioverfügbarkeit ins Spiel. Mit der in der Studie gewählten Dosierung seien möglicherweise zu niedrige Wirkstoffkonzentrationen im Urin erzielt worden. Das habe dann eventuell die Ergebnisse beeinflusst. Derzeit läuft eine Studie der Phase II, um die optimale Dosis für Cranberry herauszufinden. (ss)

 

doi: 10.1001/archinternmed.2011.306

 

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28.07.2011 l PZ

Foto: Fotolia/odze