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Tschernobyl: Strahlenschäden bei 600 Millionen Menschen

 

Wie vielen Menschen in Europa der Reaktorunfall in Tschernobyl bis heute geschadet hat, ist unklar. Schätzungen liegen zum Teil erheblich auseinander. Ein neuer Bericht von Atomkritikern beziffert die Zahl der gesundheitlich Betroffenen jetzt auf mehr als 600 Millionen. Das geht aus einer Veröffentlichung der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) und der Gesellschaft für Strahlenschutz (GfS) hervor, die zu Beginn eines Tschernobyl-Kongresses in Berlin vorgestellt wurde. Darin sind mehrere Studien zu den Folgen des Unglücks vor 25 Jahren zusammengefasst.

 

Bei den ausgewählten Studien handele es sich um «methodisch saubere und prinzipiell nachvollziehbare Analysen», heißt es in dem Bericht. Es wurden allerdings auch Untersuchungen mit einbezogen, die nicht von externen Gutachtern überprüft wurden, also den «Peer-Review-Prozess» von Fachzeitschriften durchlaufen haben.

 

Die IPPNW räumen ein, dass das bisherige Wissen einem Mosaik gleiche, dem viele Steine fehlten. Die Ärztevereinigung geht davon aus, dass sich auch sehr geringe Strahlendosen über einen langen Zeitraum negativ auf die Gesundheit auswirken und etwa zu genetischen Schäden führen können. Einer Studie aus dem Jahr 2007 zufolge würden 600 Millionen der europäischen Bevölkerung in geringer strahlenbelasteten Gebieten leben – und somit auch gesundheitlich unter der Radioaktivität leiden.

 

Am meisten an den Folgen einer besonders hohen Verstrahlung leiden die Aufräumarbeiter: Bis 2005 seien von 830 000 der sogenannten Liquidatoren zwischen 112 000 und 125 000 gestorben. Mehr als 90 Prozent seien heute schwer krank. Sie würden nicht nur an Krebs leiden, sondern auch an hirnorganischen Schäden, Bluthochdruck und Magen-Darm-Erkrankungen.

 

Eine andere Untersuchung von 2007 kommt zu dem Schluss, dass durch Tschernobyl bis zum Jahr 2056 knapp 240 000 zusätzliche Krebsfälle in Europa auftreten werden.

 

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11.04.2011 l PZ/dpa

Foto: Fotolia/Anton S.