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Anti-Aging: Geringer Nutzen von Hormonpräparaten

 

Der Nutzen von Anti-Aging-Präparate ist sehr begrenzt. Zwar ist der Absatzmarkt für Mittel mit Estrogenen, Testosteron, DHEA oder Wachstumshormonen groß. Und der Versuch, Alterungsprozesse der Haut damit aufzuhalten, sei naheliegend, sagte der Dermatologe Professor Dr. Roland Kaufmann beim Pharmacon in Davos. Schließlich sinke der Hormonspiegel im Alter. Allerdings müsse die Frage beachtet werden, «ob wir altern, weil wir weniger Hormone produzieren oder ob wir weniger Hormone produzieren, weil wir altern». Kaufmann hält die zweite Variante für richtig. Damit lasse sich auch begründen, warum die Wirksamkeit der Präparate klinisch selten belegt ist.

 

Das gilt vor allem für Estrogene. Völlig wirkungslos seien topisch angewendete Präparate zwar nicht, wie der Mediziner ausführt. Die Wirksamkeit sei aber kein Effekt des Estrogens, sondern eines hochsignifkanten Placebo-Effekts. Zudem könne hier, wie bei anderen hormonhaltigen Salben, deren Grundlage einen positiven Effekt auf die Haut haben.

 

Anders ist die Datenlage bei der systemischen Gabe von Estrogenen zur Behandlung und Vermeidung einer Urogenitalatrophie. Hier sei der Nutzen unstrittig. Valide Belege für einen positiven Effekt auf die Hautalterung gebe es nicht für Testosteron, humane Wachstumshormone und DHEA (Dehydroepiandrosteron). Gänzlich den Stab über DHEA brechen, mochte Kaufmann nicht.

 

Kaufmanns Urteil über die Wirksamkeit von Phytohormonen fällt eher bescheiden aus. Die Isoflavone von Soja, Rotklee oder Traubensilberkerze binden zwar an Estradiolrezeptoren. Für ihre angebliche Fähigkeit, Alterungsprozesse zu verzögern, gebe es aber keinen wissenschaftlichen Nachweis. Gleichzeitig warnt das Bundesamt für Risikobewertung sogar vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit hohem Isoflavongehalt. Wer Isoflavone zu sich nehmen wolle, der sollte dies in Form einer mediterranen oder asiatischen Diät tun, aber auf künstlich angereicherte Lebensmittel verzichten, empfahl Kaufmann. (dr)

 

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10.02.2011 l PZ

Foto: Fotolia/Jamstockfoto